Zum krankheitsbedingten Hochverrat und seinen Wirkungen. Teil XIV. Die Antwort.


Im Friedensvertrag von Camp David, vom 26.3.1979, haben Ägypten und Israel unter Zeugenschaft und Vermittlung der USA hinsichtlich des Suez-Kanals die Anwendung der Suez-Konvention von Konstantinopel aus 1888 (RGBl. 85/1889) vereinbart. Es scheint im Netz bedauerlicherweise keine Datenbank über Mitgliedschaften etc. der Verträge vor dem Völkerbund zu geben, sodass ich nicht sagen kann, wer heute aller Mitglied dieser Konvention ist.

In Artikel IX dieser Konvention übernimmt Ägypten, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, die zur Achtung der Durchführung ihrer nötig sind. Ferner ist dort vorgesehen, dass dann, wenn Ägypten über ausreichende Mittel nicht verfügen sollte, die Ottomanische Imperiale Regierung angerufen werden soll, die ihrerseits die Signatarmächte der Erklärung von London vom 17. März 1885 zwecks Konzertierung mit ihnen verständigt. Schließlich bestimmt der letzte Absatz dieses Artikels, dass die Vorschriften der Artikel IV, V, VII und VIII der Konvention kein Hindernis für die Maßnahmen nach diesem Artikel sein sollen.

Artikel X der Konvention bestimmt zusätzlich, dass die zuvor genannten Artikel kein Hindernis für Verteidigungs- und Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung,  „aus eigener Kraft“ seitens Agypten darstellen sollen.

Im genannten Artikel IV ist die freie Passage, selbst zu Kriegszeiten, und das Nähere dazu geregelt. Artikel V regelt Be- und Entladungen im Kanal zu Kriegszeiten. Artikel VII verbietet die Haltung von Kriegsschiffen in den Wässern des Kanals, mit Ausnahme der Einfahrts- und Ausgangshäfen. Und Artikel VIII schließlich kehrt die Überwachung der Exekution der Konvention durch die Agenten der Signatarmächte sowie deren Organisation dabei vor; dabei sollen sie nach dessen Absatz 3 insbesondere die Einstellung jeder Arbeit und die Zerstreuung jeder Ansammlung begehren, die, sei es auf dem einen oder dem andern Ufer des Kanals, zum Zweck oder zur Wirkung haben könnten, der Freiheit und der vollständigen Sicherheit der Schifffahrt Abbruch zu leisten.

Artikel VI übrigens unterwirft die Prisen denselben Bestimmungen, denen die Schiffe der Kriegführenden unterliegen.

Man kann die Artikel IV, V, VII und VIII durchaus als die (vordergründigen) Herzstücke der Konvention bezeichnen, sodass die im Artikel IX davon gemachte Ausnahme praktisch den Hauptteil der Konvention aushebelt und somit dem Zweck des Artikels IX (und X) besonderes Gewicht verleiht. Bei richtiger Lesart tut vor allem Artikel VIII Absatz 3 der Konvention (Begehren der Einstellung und Zerstreuung) den Maßnahmen nach Artikel IX und X keinen Abbruch, wobei interessant ist, dass die im Reichsgesetzblatt (aaO) angeführte Übersetzung des oben fett hervorgehobenen Nebensatzes gerade falsch, nämlich dahin vorgenommen wurde, als bezöge er sich auf den Ort der Arbeiten und Ansammlungen: in Wahrheit bezieht er sich im authentischen französischen Vertragstext aber freilich auf den Zweck und die Wirkung, also den Ort, wo diese sich entfalten, namentlich die Kanalufer, die – vergleicht man ihren sprachlichen Einsatz mit dem der „Küste“ etwa in Artikel X Absatz 3 – wohl als Metapher recht weitläufig (im Sinne von Ost und West, Nord und Süd, Reich und Arm, Entwickelt und Nicht-entwickelt, etc.) aufzufassen sind!

Zu beachten ist dabei, dass nur Artikel X, nicht aber Artikel IX davon spricht, die Maßnahmen müssten „aus eigener Kraft“ ergriffen werden. Dazu fällt mir insbesondere 9/11 ein.

Angesichts der angesprochenen Aushebelung kann die (eben nur vordergründige) abermalige Umkehrung, die in der Bestimmung des Artikels XI Absatz 1 der Konvention liegt, wonach die nach den Artikeln IX und X ergriffenen Maßnahmen der „freien Nutzung des Kanals“ keinen Abbruch tun dürfen, nurmehr als Klarstellung dahin verstanden werden, dass der Begriff „frei“ einer besonderen Würdigung und Interpretation bedarf, die dem Vertragszweck entspricht, welcher nach Artikel XII insbesondere in der Verwirklichung des Prinzips der Gleichheit in der Benutzung des Kanals besteht:

Wer (unter Nutzung des Kanals) Ressourcen hortet und vergeudet (mithin sie unnütz verarbeitet und ansammelt) ist nicht frei, weil er die Last der Bürde der Verantwortung für den Tod Tausender anderer an sich haften hat, die anderswo seines Überflusses wegen Mangel leiden. Wer solcherart wirtschaftet, ist auch deshalb nicht frei, weil er in Kauf nimmt, dass die Ressourcen verbraucht sind, ehe die Technologie so weit ist, aus ihnen jene Werkzeuge und Mittel zu formen, die die Menschheit benötigt, ihr ewiges Fortbestehen auf diesem oder einem anderen Planeten zu sichern.

Die von mir unten angesprochene „ägyptische“ Gebäudesteuer von 1884 nimmt also die Verankerung des Einflusses unter ägyptischer Regie vorweg, der im Hinblick auf das Maß und das Ziel, die einzuhalten sind, auch und vor allem auf „den Westen“ zu üben ist: dies freilich unter Mitwirkung seiner Agenten selbst, also seiner geistigen Eliten, die es auch waren, die dieses weitere Kunstwerk einer Konvention verfasst haben.

Es versteht sich von selbst, dass die nukleare Autarkie, die Iran als einer der führenden Repräsentanten des orientalisch-muslimischen Kulturkreises anstrebt und im Begriffe ist zu erreichen, logische Voraussetzung zur Erlangung der Fähigkeit ist, die Durchsetzung der Achtung der Suez-Konvention sowie „aus eigener Kraft“ sich zu verteidigen, zu gewährleisten.

20110204, 1458

Ob ich überhaupt schon zur Schule ging, oder noch keine 6 Jahre alt war, kann ich aus meiner Erinnerung gar nicht sagen: aber aus dringendem Geldbedarf vermietete meine Mutter damals ein Zimmer unseres Hauses u. a. an zwei Reisende aus Algerien, inklusive Frühstück. Als die beiden also bei demselben saßen und ich nebenbei spielte, sprach mich einer davon an und forderte mich auf, von einem Kaffeelöffel voll weißer Kristalle, den er mir entgegenstreckte, zu versuchen. Irgendwie wußte ich genau, dass es – anders als er beteuerte – kein Zucker sondern Salz war. Ob ich schließlich versuchte, oder standhaft blieb, weiß ich auch nicht mehr.

Tatsache ist, dass ich diese beiden Gesellen, die äußerst vornehm gekleidet waren, aber in einem rostigen Auto fuhren und Parfümwolken nach sich zogen, in guter und sympathischer Erinnerung behielt – trotz dieses hinterhältigen Versuchs. Ganz, als hätte ich damals schon gewußt, welche Bewandtnis es mit diesem süß-sauren Gleichnis auf sich hat.

20110205, 1119

Wenn oben zitierter Artikel X der Suez-Konvention bestimmt, dass die dort genannten Artikel ihrer der Selbstverteidigung Ägyptens „aus deren [der ottomanischen und der ägyptischen] eigener Kraft“ keinen Abbruch tun dürfen, so ist damit klar gestellt, dass der Betrieb des Kanals (und dessen Wirkung) Ägypten (und damit die Region) derart stärken müssen, dass solche Selbstverteidigung möglich wird: Es muss also eine Balance zwischen Betrieb und positiver Entwicklung Ägyptens (und der Region) dahin bestehen, dass umso rigorosere Maßnahmen im Hinblick auf den Betrieb des Kanals seitens Ägypten zulässig sind, je einseitiger (und somit vertragswidrig) sich die Wirkungen des Betriebs zugunsten „des Westens“ darstellen. Und selbstverständlich ist die Gewährleistung dieser Selbstverteidigungsfähigkeit des Artikels X zugleich Gegenstand des nach Artikel IX gesicherten Vollzugs der Konvention, sodass daran auch die ottomanische Regierung sowie die Londoner Signatarmächte (und über deren Einbindung in die Europäische Union auch diese als solche) mitzuwirken haben.

Dass die NATO als zu Friedenszeiten außerhalb der UNO strukturiert eingerichtete, multilaterale, militärische Organisation völkerrechtswidrig ist, habe ich unten nachgewiesen.

[20110218, 1044

Zumal ich jüngst gewahr wurde, dass ich entgegen meiner Annahme die gleich folgenden Notizen56 oben gar nicht gepostet habe, gebe ich sie hier und jetzt wieder:

20071015, 2057

Aus Artikel 51 UN-Charta ergibt sich klar, dass das dort geregelte Recht auf Selbstverteidigung nur insoweit als nicht eingeschränkt bezeichnet wird, als es (einen bereits bestehenden!) Angriffsfall betrifft:

Aus der englischen Fassung ergibt sich dies aus dem Wort „if“, welches sich als Konjunktion nur auf den vorangehenden Gliedsatz insgesamt beziehen kann, was zur Folge hat, dass es sich (nicht etwa auf das Wort „right“ oder „self-defense“ sondern) auf das Satzprädikat, nämlich „shall [not] impair“ bezieht.

Aus der französischen Fassung, die insoweit mit der spanischen übereinstimmt, ergibt sich aus der dort gebrauchten Partizipgruppe („dans le cas où“) zwar vorerst und scheinbar das Gegenteil, was aber sogleich wieder dadurch hin zur Kongruenz mit der Aussage der englischen Fassung korrigiert wird, dass der nachfolgende temporäre Relativsatz: „…, jusqu’à …“, klarstellt, dass dieses Recht zur Selbstverteidigung erneut und bis zur occurance eines weiteren solchen gleichsam in die Subsidiarität des Notfalls (bewaffneten Angrifffalls) zurückgedrängt wird, sobald der Sicherheitsrat tätig wird.

Daraus ergibt sich eine klare Einschränkung insbesondere für regionale Verteidigungsbündnisse – umso mehr, je institutionalisierter sie organisiert sind. Dies wird untermauert einerseits durch Artikel 50, weil sich aus diesem, insbesondere aus seiner französischen Fassung, im Umkehrschluss ergibt, dass betroffene Drittstaaten in dem Fall der unter dem Titel Selbstverteidigung ergriffenen Präventivmassnahme ein Recht zur Anrufung des Sicherheitsrats nicht haben, bzw. hätten, woraus logisch folgen muss, dass Präventivmassnahmen unter dem Titel der (auch und gerade kollektiven) Selbstverteidigung (wie zu Artikel 51 gezeigt) eben verboten sind und nur mehr dem nach Artikel 24 Absatz 1 UN-Charta hauptverantwortlichen Sicherheitsrat zustehen.

Daran ändern auch Artikel 52 und folgender nichts, weil in diesen lediglich Instrumente zur friedlichen Streitbeilegung geregelt sind, was sich klar aus dem Kontext zwischen „maintenance“ in Artikel 52 Absatz 1 einerseits und „to achieve pacific settlement“ in dessen Absatz 2 andrerseits ergibt; und ferner, weil auch Artikel 53 zufolge „such … arrangements or agencies“ (wie soeben beschrieben) nichts anderes her gibt, weil sich das gesamte Chapter VIII eben gerade auf nicht-militärische Maßnahmen der Friedenssicherung bezieht, woran auch der Bezug auf Artikel 107 UN-Charta nichts ändern kann, weil damit offenkundig lediglich politische Bündnisse zur politischen Prävention einer solchen Erneuerung jener Aggressionspolitik gemeint sind.

Und selbst aus Artikel 47 Absatz 4 ergibt sich nichts andres, weil auch dort mit den „regional agencies“ entsprechend dem Charakter des Military Staff Committees selbst lediglich solche gemeint sein können, deren Zweck (äußerstenfalls) in militärtechnischer Strategielogistik besteht, keineswegs aber in einem militärischen Oberkommando bzw. etwa auch nur der Koordination solcher Kommandos über bewaffnete Truppen.

Daraus folgt klar und deutlich, dass die Nord Atlantik Pakt Organisation (zumindest!) faktisch wider die UN-Charta verstößt, soweit sie eine ständige militärische Organisationsstruktur unter Einschluss von militärischem Gerät einschließlich Kriegswaffen unterhält.

Selbst aus dem Vertrag 34 UNTS 541, 243 ergibt sich aber dasselbe auch de jure, weil darin – auch wenn in ihm das Gegenteil so angestrengt behauptet wird – das eindeutige Übergewicht seiner Regelung(szwecke) in der militärisch-organisatorischen Prävention im soeben aufgezeigten Sinne liegt, was insbesondere sein Artikel 9 deutlich macht.

Dass sich diese Organisation nicht zur UN-Charta gemäßen Durchführung von Aktionen im Sinne deren Artikels 107 eignet, ergibt sich gerade aus dem Umstand, dass sie kollektivistischer Natur ist, womit die Möglichkeit der Festmachung auf einen einzelnen Staat bezogener Verantwortung für eine solche Maßnahme ausscheidet.

Frivol bis kriminell mutet die mutmaßliche Argumentation an, man habe Eigeninitiative auch präventiver Art ergreifen müssen, weil der Sicherheitsrat, insbesondere wegen des Ausbleibens der Implementierung des Artikels 47 (samt „Anhängen“) UN-Charta nie in die Lage versetzt wurde, seinen Charta-mäßigen Pflichten und Funktionen zu entsprechen – geht doch dieses Ausbleiben offenbar auf die Kappe eben derselben Kreise, die jetzt meinen, sich auf diese Notwendigkeit berufen zu können.

Dass man diese Entwicklung vorausgesehen hat und ihr suchte vorzubeugen, ergibt sich im Übrigen schon aus den diplomatischen Dokumentationen der ersten Hälfte der 40er-Jahre des 20. Jahrhunderts, dabei insbesondere den folgenden:

  • Pacte tripartite du 27 septembre 1940
  • Charte de l’Atlantique du 14 août 1941
  • Déclaration des Nations Unies du 1er janvier 1942, sowie insbesondere dem
  • Traité d’alliance et d’assistance mutuelle entre l’U.R.S.S. et le Royaume-Uni du 26 mai 1942, ferner
  • Accords de Téhéran du 1er décembre 1943.

 Zitiert nach Colliard, Claude-Albert, Droit International et Histoire Diplomatique. Troisième Édition, Tome I. In : Textes et Statistiques de l’université de Grenoble, Éditions Montchrestien, Paris 1955.

Nebenbei erwähne ich zufolge der Aktualität nur ein Schlagwort: Woomera.]

Um das nochmals zu betonen: Die Ausnahme, die die Artikel IX Absatz 3 und X Absatz 1 vom vermeintlichen Hauptgegenstand der Konvention (dem freien Betrieb des Kanals) festlegen, macht deutlich, dass der eigentliche Vertragszweck nicht so sehr in der freien Nutzung des Kanals, sondern vielmehr im gerechten Ausgleich zwischen den Welten und überhaupt der Sicherung eines gesunden Wirtschaftens besteht, das uns alle frei machen soll.

Dass vom genannten Ausnahmenkatalog Artikel VI der Konvention nicht umfasst ist, besagt nur, dass Ägypten (bzw. im Konzert mit der ottomanischen Regierung die Signatarmächte der Londoner Erklärung aus 1885) es sein sollen, die Prisen machen, um sie dem Zweck der Konvention gemäß zu verwenden. Zumal die angesprochenen Maßnahmen dem Ort ihrer Vornahme nach in der Konvention keine besondere Bestimmung erfahren, sind sie nach Bedarf auch anderswo vorzunehmen, zu Recht also auch etwa vor dem Horn von Afrika!

20110207, 1410

Was ich nicht verstehe, ist, warum GDF Suez sich die Herausforderung und das Geschäft entgehen lässt, die Konzession zu erneuern, um vereinbarungskonform die Begrünung der Sahara in Angriff zu nehmen.

20110211, 0924

Das Osmanische Reich ist nach dem Ersten Weltkieg zerfallen.

Ägypten selbst wird in der Suez-Konvention zwar als Träger von Rechten und Pflichten ausdrücklich genannt, hat dieselbe aber selbst nicht unterzeichnet, wurde vielmehr durch die Osmanische Imperiale Regierung dabei vertreten.

Die Signatarmächte dieser Konvention haben das Ende des Osmanischen Reichs vorhergesehen. Das spiegelt sich insbesondere in den Bestimmungen des Artikels VIII Absatz 2 der Konvention wieder, wonach der Vorsitz in den alljährlichen Sitzungen der Vertragsmächte in Abwesenheit des Vertreters des Osmanischen Reichs jenem Ägyptens zufällt, was zugleich die Beschlussfähigkeit dieses Gremiums auch ohne Konstantinopel unterstreicht; ferner des letzten Satzes des Artikels XII, wonach die Rechte „der Türkei als Territorialmacht“ von dem darin „in Anwendung des Gleichheitsprinzips bei der Nutzung des Kanals“ vereinbarten Grundsatz ausgenommen sind, welchem zufolge keine der Vertragsmächte territoriale oder kommerzielle Vorteile sucht: woraus zweierlei folgt, nämlich einerseits dass die territoriale Souveränität des Osmanischen Reichs schon seit jeher nicht homogen oder klar abgegrenzt, mithin ausgefranst war (sodass sie auch hinsichtlich der nachmaligen Türkei solcherart erst hergestellt werden musste), und zweitens dass die politische Souveränität der Imperialen Osmanischen Regierung, die demnach sehr wohl verbessert werden sollte, gleichfalls auch von anderen Mächten abhing, namentlich von solchen vornehmlich aus dem Fernen Osten, wohl aber auch von Persien.

Die, wie gezeigt, vorweggenommene bzw. vorhergesehene Auflösung des Osmanischen Reichs in dieser Konvention bedingt eine in ihr schlüssig vereinbarte, nachmalige Transformation und Tradition osmanisch-imperialer Souveränität auf Ägypten, was durch die Bestimmung ihres Artikels XIII nicht geschmälert werden kann, spricht sie doch gerade nicht von der Souveränität des Sultans, sondern von dessen „souveränen Rechten“ als der Disposition zugänglichen Rechtsgütern; während die darin genannten Rechte Ägyptens eben gerade keine Einschränkung, sondern vielmehr eine Ausdehnung erfahren sollten, sodass damit nur unterstrichen wird, dass die schlüssige Vereinbarung eines Souveränitätszuwachses Ägyptens beabsichtigt war.

Demnach kommt Ägypten zu, in die Rolle Konstantinopels zu schlüpfen und für ein Konzert der Londoner Signatarmächte zu sorgen, wobei nichts im Wege steht, jenen Mächten, die mit dem Fall des Osmanischen Reichs aus der direkten Einflussnahme auf den europäisch-orientalischen Raum hinaus gedrängt wurden, weiterhin konsultativen Status einzuräumen, was die eigene Souveränität Ägyptens und der genannten Signatarmächte zufolge des kulturellen Vermächtnisses jener Mächte nur stärken kann.

Gestern habe ich den zweiten Teil (Suchstichwort: 20110210) der Präambel der Allianz von Sens gepostet, aus dem ich ihrer zentralen Bedeutung wegen die Passage „cum solemnitate, obligationeque & pertinentiis facere“ vor allem für die Nicht-Lateiner unter der geschätzten Leserschaft besonders hervorheben will, die ich mit „mit je ausgedehnterer, schicklicher Feierlichkeit und Verpflichtung umso ausgedehnter zu tun“ übersetzt habe:

Das Wort pertinentiis stammt von pertineo, pertinere, pertinui, pertinentus: sich erstrecken, sich ausdehnen, reichen. Das participium perfectum passivum (PPP) davon lautet pertinentus, -a, um: ausgedehnt. Das Adverb davon im Komparativ pertinentius: (etwas) ausgedehnter (tun). Das im zitierten Vertragstext verwendete Wort pertinentiis ist nun nicht etwa der Ablativ des PPP, denn der lautete pertinentis, sondern gleichsam eine Re-Adjektivierung des Adverbs, indem dessen Endung -(i)us als die adjektivische Endung –us aufgefasst und sodann adjektivisch zum Ablativ -(i)is dekliniert wird. Eine geniale, kunstvolle Wortneuschöpfung, die sowohl adverbiellen als auch adjektivischen Gebrauch zusammenfasst und damit (im Komparativ) das Korrelat zwischen Feierlichkeit und Verpflichtung einerseits sowie dem Vollstrecken des Vertrags andererseits unterstreicht und zugleich zum Ausdruck bringt, dass der Kunst (Forschung und Technik) dabei beiderseits besondere Bedeutung zukommt: nämlich sowohl, was die Zunahme an negativen Einflüssen auf die Umwelt angeht, als auch, was die Fähigkeit zu deren, zur Beherrschung der Ananke betrifft.

Es ging somit schon 1430 – selbstverständlich – um den masterplan.

1802

In den bezüglich der Suez-Konvention oben dargelegten rechtlichen Zusammenhängen liegt auch die Ursache, aus der der Vertrag von Sèvres (siehe dazu unten bzw. unten; Suchstichwort je: Sèvres) seitens der Nationaltürkei nie ratifiziert wurde, sehr wohl aber vom Sultan. Zur Zeit von Lausanne aber war Ägypten bereits souveränes Königreich, der Übergang der Souveränitätsrechte des Sultans, wie in der Suez-Konvention vorgesehen, über die Alliierten Hauptmächte (außer Japan) mithin bereits vollzogen, sodass es hinsichtlich der Nationaltürkei diesbezüglich auch nichts mehr zu verzichten gab.

20110212, 1128

Nachzutragen habe ich entgegen meines ursprünglichen Irrtums, wonach Karl und Friedrich nicht verwandt gewesen seien, dass Elisabeth von Bayern-Ingolstadt, die Mutter Karls VII. von Frankreich, und Friedrich IV. von Tirol (beide mütterlicherseits) denselben Großvater, Bernabo Visconti, hatten, somit Kousin und Kousine waren. Dies ändert nichts daran, dass in der Präambel der Allianz von Sens mit Bezug auf die Verwandtschaft Friedrichs seitens Karl das Wort praefatus (von praefor, –atus sum, –ari) verwendet wird, das die Bedeutung von vorher sagen (ehe etwas geschieht) im Sinne von weissagen, hat. Die Verwandtschaft zwischen dem Haus von Burgund und dem Haus Valois von Frankreich ist bekannt.

Dass in der Allianz von Sens in ein und demselben Atemzug die Rede von der Neigung Friedrichs zur echten Ergebenheit gegenüber „unserer Mutter“, die er „unerschütterlich“ an den Tag legte, und ferner davon ist, dass Letzterer Karl in Kriegen gegen dessen Feinde beistand, mutet trotz des frühen Todes Karls Vaters, Karls VI. von Frankreich, (1422) und in Verbindung mit dem im selben Satzteil benutzten Wort considerantes (considero, -are, -avi, -atus, von sidus, -eris: Himmelskörper, Gestirn) kaum sonderbar an.

20110214, 1458

Soeben habe ich unten [Suchstichwort: 20110214] einen weiteren Teil der Allianz von Sens gepostet, zu dem ich auf die Passage: praefatae nostrae Majestati in subventionem & praesidium esse, besonders hinweisen will:

Dass mit der „vorhergesagten, unseren Majestät“ Karls nicht gemeint sein kann, ergibt sich erstens aus dem Zusammenhang und zweitens daraus, dass durch die gesamte mittelalterliche und neuzeitliche monarchische Zeit, da Verträge in der „Wir“-Form (für den Monarchen) verfasst wurden, völlig unüblich war, ihn selbst mit der Majestät zu bezeichnen: dies erfolgte nur, wenn man von ihm in der dritten Person sprach. Aus ebendemselben Grund kann damit aber auch nicht die zuvor (vermeintlich) angesprochene Königinmutter gemeint sein, denn die hätte (nicht mit „unserer“, sondern) mit „Ihrer“ Majestät bezeichnet werden müssen.

Das Nomen majestas, –atis, hat auch die Bedeutung von: die Göttlichkeit, und passt allein in diesem Sinne an die zitierte Vertragsstelle, und fügt sich somit perfekt in die schon zuvor dargebotene Handlung vom Planeten Erde ein.

Man hat dabei zu beachten, dass 1430 die Inquisition in ihrer Hochblüte war; und eines der Zehn Gebote  lautet immerhin: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist.“ (2. Moses, 20, 4)

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