Zur Frage der völkerrechtlichen Zulässigkeit von unilateralen Wirtschaftssanktionen


Nach Artikel VIII (2)(a) IMF (Stammfassung von Bretton Woods; BGBl. 105/1949), „no member shall, without the approval of the Fund, impose restrictions on the making of payments and transfers for current international transactions.“

Solche “Zahlungen und Transfers für laufende internationale Transaktionen” sind laut Artikel XIX (i) IMF Stammfassung (Artikel XXX [d] [1] IMF neuester Fassung) u. a.: „payments which are not for the purpose of transferring capital, and includes, without limitation: (1) all payments due in connection with foreign trade, other current business, including services, and normal short-term banking and credit facilities; […].“

Vgl. zum Begriff des payment WHITNEY, The Century dictionary, Band V, New York (1895), S. 4339:

More specifically, in law, the discharge of a pecuniary obligation by money or what is accepted as the equivalent of a specific sum of money; „the satisfaction, by or in the name of the debtor, to the creditor, of what is due, with the object to put an end to the obligation“.

Unter Zahlung versteht der Jurist (auch im anglo-amerikanischen Rechtsbereich) somit nicht nur die Hingabe von Geld, sondern überhaupt jedwede Leistung von Geldwertem, die zur Erfüllung einer Verbindlichkeit dient, mithin auch die Sachleistung.

Zuletzt mit dem Export-Import Bank Reauthorization Act of 2012 (US-EIBRA 2012) verhängten die USA umfangreiche Wirtschaftssanktionen gegen Iran betreffend insbesondere Irans Erdölindustrie [Sec. 18 (a)(2)(A)(i) US-EIBRA 2012].

Abgesehen davon, dass Sec. 18 (a)(2)(B)(i) US-EIBRA 2012 die Möglichkeit der individuellen Aufhebung der Sanktionen im Rahmen von Ausnahmen davon für Einzelne, mithin die Zuschanzung von solchen sanktionsbewehrten Geschäften an Günstlinge durch den Präsidenten vorsieht, scheinen diese Sanktionen gegen die oben zitierten Bestimmungen der IMF-Artikel zu verstoßen.

Der guten Ordnung halber sei hier noch auf Artikel XXI GATT 1994 eingegangen, der da lautet:

Article XXI: Security Exceptions

Nothing in this Agreement shall be construed

[…]

(c) to prevent any contracting party from taking any action in pursuance of its obligations under the United Nations Charter for the maintenance of international peace and security.

Artikel 24/1 UN-Charta sieht vor, dass allein der UNSC über Maßnahmen betreffend Internationale Sicherheit und Frieden entscheidet: „on behalf of them„. Und Artikel 41 kehrt die Ergeifung von Maßnahmen, die nicht in Waffengewalt bestehen, durch den Sicherheitsrat vor: nicht aber durch die einzelnen Staaten, welche solche dann lediglich zu vollziehen haben, mithin erst, nachdem er sie beschlossen hat.

Siehe dazu auch Artikel I/1 UN-Charta:

The Purposes of the United Nations are:

1. To maintain international peace and security, and to that end: to take effective collective measures for the prevention and removal of threats to the peace, and for the suppression of acts of aggression or other breaches of the peace, and to bring about by peaceful means, and in conformity with the principles of justice and international law, adjustment or settlement of international disputes or situations which might lead to a breach of the peace.

Siehe zum Thema einen thread bei derstandard.at.

20120606, 1355

Rücksichtlich der Sanktionen auf Finanzgeschäfte im Zusammenhang mit Ölgeschäften nach Sec. 18 (a)(2)(A)(i) des oben zitierten US-EIBRA 2012 bestimmt desselben Sec. 18 (a)(2)(B)(i)(I), dass die Export-Import-Stützung doch erfolgen, die Sanktion also unterbleiben kann, wenn bescheinigt wird, dass

the President has waived the imposition of sanctions with respect to the person that engaged in that activity pursuant to section 4(c), 6(b)(5), or 9(c) of the Iran Sanctions Act of 1996.

Nach Sec. 4(c)(1)(A) des genannten Iran Sanctions Act of 1996 (Public Law 104–172; 50 U.S.C. 1701 note [logische Seite 351]) kann der Präsident

on a case by case basis, waive for a period of not more than six months the application of section 5(a) [also die Verhängung bzw. den Vollzug von Sanktionen; Anm.] with respect to a national of a country, if the President certifies to the appropriate congressional committees at least 30 days before such waiver is to take effect that such waiver is vital to the national security interests of the United States.

Was ein national of a country ist, ist dort (im Gegensatz zur sonst durchwegs gebräuchlichen „person„) nicht näher geregelt. Und die angesprochene Bescheinigung an den Kongress muss offenbar nicht schriftlich erfolgen, was aus Sec. 6 (b)(5) desselben Act of 1996 hervorgeht, wo für die dort angesprochene Bescheinigung Schriftlichkeit demgegenüber sehr wohl gefordert wird.

Das erscheint mir alles viel zu wenig determiniert zu sein, als dass es einer Überprüfung auf Verfassungskonformität Stand halten könnte: Der Korruption ist Tür und Tor geöffnet!

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