Der Spanisch-Niederländische Friede von Münster (1648) und die Scharia


Bei DUMOND, Corps universel diplomatique du droit des gens, Band VI/1, Amsterdam/Den Haag (1728), S. 429, findet sich der Friedensvertrag zwischen Philipp IV., Katholischem König von Spanien, und den Herren Generalstaaten der Vereinigten Provinzen der Niederlande, unterzeichnet am 30.1.1648 zu Münster.

In den Artikeln I und II dieses Vertrags wird zwischen allen Ländern und Königreichen der Vertragsparteien ewiger Friede geschlossen. Beachte dazu, dass die Niederlande seinerzeit bereits erhebliche und zahlreiche Kolonien in Afrika, in Süd- und Nordamerika, sowie im Fernen Osten unterhielten; sowie, dass Philipp IV. auch König von Portugal war bzw. dass beide seine Königreiche ausgedehnte Kolonien in Nord- und Südamerika, in Afrika sowie im Fernen Osten unterhielten. So herrschten die Niederlande bzw. Portugal insbesondere über Landstriche an der Gold- bzw. der Sklavenküste, in deren Hinterland sich das heutige Mali befindet. Siehe dazu PUTZGER/LENDL/WAGNER, Historischer Weltatlas, Wien (1977), S. 74 f.

Und Artikel LX dieses Friedensvertrages lautet (aus dem Französischen übersetzt), wie folgt:

Wenn von Privatleuten ohne Befehl der besagten Herren , des Königs oder der Generalstaaten, irgendeine Zuwiderhandlung gegen den Vertrag  vorgenommen worden war, so soll der Schaden am selben Ort, wo die Zuwiderhandlung vorgenommen worden sein wird, wenn sie dort erwischt worden sind, oder zumindest an jenem deren Domizil beglichen werden, ohne dass sie sonst an ihrem Körper oder Vermögen, auf welche Weise es auch immer sein möchte, verfolgt werden könnten; und es soll nicht zulässig sein, bei dieser Gelegenheit zu den Waffen zu greifen oder den Frieden zu brechen, hingegen sehr wohl erlaubt, im Falle einer manifesten Ablehnung der Gerechtigkeit sich, so wie es der Gepflogenheit entspricht, auf Kaperbriefe oder Repressalien zu berufen.

Unter der Voraussetzung, dass Frieden herrscht und Befehle der Obrigkeit zur Vertragsverletzung nicht vorliegen, sollen also Körperstrafen für Verletzungen des Friedens durch Privatleute verboten sein. Erlaubt seien hingegen die Kaperei und andere Repressalien.

Beachte auch den Artikel XXIV dieses Vertrages, in dem das Eigentum an diversen, durch ihn restituierten Vermögensbeständen, ausdrücklich auch auf den Rechtsgrund des Vertrages gestützt werden, sodass die Eigentümerschaft im Fall des Friedensbruches fraglich erscheint, und solches Eigentum wieder dem Fiskus zufiele, der es dem öffentlichen Interesse gemäß zum Vorteil aller unter das Vertragsgebiet fallender Völkerschaften zu verwenden hätte.

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