Ist die Rücktrittserklärung Benedikts XVI. vom 11. Februar 2013 rechtsgültig?


Die Rücktrittserklärung Seiner Heiligkeit Papst Benedikts XVI. vom 11. Februar 2013 weist insbesondere in ihrem lateinischen Originaltext einige Ungereimtheiten auf, die darauf schließen lassen, dass der darin behauptete Rücktritt nicht aus freien Stücken erklärt worden ist.

Im Folgenden soll daher jeder Satz dieser Erklärung, namentlich sowohl der lateinischen Originalfassung als auch der vatikanamtlichen deutschen Übersetzung, einem Kommentar unterzogen werden, wobei wir uns, was die deutsche Übersetzung angeht, insoweit an die des Vatikans halten, als diese uns fehlerfrei erscheint.

Wir sind nicht alleine mit Kritik an dem Text. Siehe etwa Wilfried STROH in der Münchner Abendzeitung: Latein-Professor verbessert Benedikts Rücktrittserklärung.

Es folgt der Kommentar im Einzelnen, wobei sich alle Quellenangaben betreffs GEORGES auf dessen Werk: Ausführliches lateinisch-deutsches und deutsch-lateinisches Handwörterbuch aus den Quellen zusammengetragen und mit besonderer Bezugnahme auf Synonymik und Antiquitäten unter Berücksichtigung der besten Hülfsmittel, Bände I und II, Leipzig (1869) beziehen:

DECLARATIO
ERKLÄRUNG

Fratres carissimi
Liebe Mitbrüder

Non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vita communicem.
Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen.

Wie unten noch zu erörtern sein wird, führt der Papst für seinen Entschluss zurückzutreten, sein „Unvermögen“ (incapacitatem) an. In äußerstem Maße ungewöhnlich und paradox ist, dass er sich also einerseits unfähig zur Dienstverrichtung bezeichnet, andererseits aber noch Heiligsprechungen vornimmt, anstatt diese relativ nicht besonders dringliche, jedoch höchst wichtige Angelegenheit seinem Nachfolger zu überlassen.

Conscientia mea iterum atque iterum coram Deo explorata ad cognitionem certam perveni vires meas ingravescente aetate non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque administrandum.
Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe [oder: Nachdem mein Gewissen wiederholt vor Gott ausgekundschaftet worden ist], bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Es erscheint mit Glaubensfesten und der erleuchtenden Größe Gottes nicht vereinbar, wenn die Gewissensprüfung vor seinem Antlitz einer Wiederholung bedürfte, um zweckmäßig bzw. erfolgreich zu sein. Explorare bedeutet im Übrigen hauptsächlich (militärisch!) auskundschaften (GEORGES, I, 1911); um präziser zu sein, hätte hier etwa examinata verwendet werden können. Diese Unstimmigkeit könnte auf dunkle Machenschaften hinweisen, besteht in ihr doch im Zusammenhang mit dem unten erklärten körperlichen und geistigen Unvermögen ein gewisser Widerspruch dahin, dass ein angeblich derart unfähiger Greis sich nicht dieser militär-technischen Akribie einer Untersuchung bedienen können sollte.

Bene conscius sum hoc munus secundum suam essentiam spiritualem non solum agendo et loquendo exsequi debere, sed non minus patiendo et orando.
Ich bin mir sehr bewußt, daß dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet.

Auch hier verwendet der Papst zum wiederholten Male (und ausschließlich) den rechtstechnisch korrekten Begriff munus (GEORGES, II, 411), welcher auch im Canon 332 Absatz 2 CIC (deutsche Fassung) zu finden ist. Siehe zur Bewandtnis dessen unten.

Attamen in mundo nostri temporis rapidis mutationibus subiecto et quaestionibus magni ponderis pro vita fidei perturbato ad navem Sancti Petri gubernandam et ad annuntiandum Evangelium etiam vigor quidam corporis et animae necessarius est, qui ultimis mensibus in me modo tali minuitur, ut incapacitatem meam ad ministerium mihi commissum bene administrandum agnoscere debeam.
Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Ohne Not wurde der eine Satz hier in der deutschen Übersetzung auseinandergerissen, um damit den Zusammenhang zu verklären, der in unserer Übersetzung zum Vorschein kommt:

Aber in der schnellen Veränderungen unterworfenen und von Fragen von großem Gewicht für das Leben des Glaubens aus der Fassung gebrachten Welt unserer Zeit ist doch zur Steuerung des Schiffes des Heiligen Petrus und zur Verkündung des Evangeliums eine gewisse Kraft des Körpers und des Geistes notwendig, […].

Attamen hat die Bedeutung von aber doch (GEORGES, I, 519). Es gibt eine Anzahl von lateinischen Synonymen dazu, die aber nicht verwendet wurden. Stattdessen zog man ein Wort vor, welches an Attentäter gemahnt! Wie oben bereits angesprochen, erklärt der Papst hier seine (angebliche) Unfähigkeit, sein Amt auszuüben. Trotzdem setzt er aber den Zeitpunkt der Wirksamkeit seiner Rücktrittserklärung erst mit dem 28.2.2013 an! Ein eklatanter Widerspruch sowie eine maßlose Verantwortungslosigkeit gegenüber der Bedeutung und Würde des Amtes Petri. Wenn es denn so wäre!

Quapropter bene conscius ponderis huius actus plena libertate declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commisso renuntiare ita ut a die 28 februarii MMXIII, hora 20, sedes Romae, sedes Sancti Petri vacet et Conclave ad eligendum novum Summum Pontificem ab his quibus competit convocandum esse.
Im Bewußtsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so daß ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muß.

In Verbindung mit dem conscius fehlt ein mihi, was auf das Zutreffen der alternativen Bedeutung der Mitwisserschaft schließen ließe (GEORGES, I, 1106). Sic!

Pondus, -eris, bedeutet nicht Ernst, sondern Bürde, Last (GEORGES, II, 937). Für den Fall, dass die Rücktrittserklärung abgenötigt worden sein sollte, versteht sich von selbst, dass sie eine gewaltige Last sowohl für Benedikt XVI. als auch für alle seine Nachfolger bedeutete, denn wer irgendwelchem äußeren Druck einmal nachgibt, ist angreifbar und wird das wieder tun. Verwunderlich auch, warum hier von einer Last gesprochen wird, anstatt von einer Befreiung von der Bürde des (nicht mehr tragbaren) Amtes!

Plena libertate ist hier fehl am Platze: Denn dieser Ablativ gebietet die Übersetzung „mit voller Freiheit„, die das Wesen des Begriffs der Freiheit nicht trifft, in der man sich befindet oder eben nicht. Weitaus präziser wäre hier ein genitivus qualitatis gewesen: plenae libertatis; wenn schon nicht die Form verwendet wird, die im Canon 332 Absatz 2 CIC zu finden ist, nämlich ein schlichtes Adverb libere.

Die zentralste Schwachstelle der Erklärung liegt aber in der Verwendung des untechnischen Begriffs des ministerii im Zusammenhang mit der eigentlichen Rücktrittserklärung, anstatt des auch von Canon 332 Absatz 2 CIC verwendeten begriffs des muneris. In einer Erklärung von derartiger Tragweite, wie die Rücktrittserklärung des Papstes eine ist, sollte verlangt und erwartet werden, dass zumindest der Kernsatz, die eigentliche Rücktrittsfloskel sich der verba legalia bedient. Dass der Papst sich ihrer selbstverständlich bewußt war, ergibt sich aus dem oben zweimal vorkommenden Gebrauch des Hauptwortes munus. Ministerium heißt in aller erster Linie Dienst(leistung) (GEORGES, II, 317). Der Papst erklärt hier also, von seiner bisherigen Dienstleistung zurückzutreten, was durchaus ironisch aufgefasst werden mag. Und er erklärt, derart zurückzutreten, sodass (erst) am 28.2.2013 eine Sedisvakanz eintrete. Das hier klar konsekutive ut bedeutet für sich genommen schon sodass (GEORGES, II, 2112 [2115]), sodass das zusätzliche ita als betonte Ironisierung des Rücktrittsbrimboriums dahin aufgefasst werden kann, dass dieses eben unwirksam sei.

Die Bezeichnungen Sedes Romae und Sedes Sancti Petri sind gleichfalls untechnisch! IM CIC kommt durchwegs nur Sedes Apostolica bzw. Sedes Sancta vor.

Schließlich ist das convocandum esse falsch; es müsste heißen convocandum erit. Dieser Fehler unterstreicht das Infinite, welches diesem Vorgehen entspricht, bei dem sowohl der jetzige als alle künftige Päpste auf einem Thron sitzen werden, der auf tönernen Beinen steht, weil ein unwirksamer Verzicht ausgesprochen wurde.

Festzuhalten ist hier jedenfalls, dass die Erklärung, dem ministerio zu entsagen, nicht gleichbedeutend ist mit dem Verzicht auf das munus laut Canon 332 Absatz 2 CIC!

Fratres carissimi, ex toto corde gratias ago vobis pro omni amore et labore, quo mecum pondus ministerii mei portastis et veniam peto pro omnibus defectibus meis.
Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler.

Portare betont die Bewegung und heißt forttragen (GEORGES, II, 954); wird hier gegenüber dem einzig passenden ferre (tulistis) [GEORGES, I, 1998] eine Entwendung angedeutet?

Bei der Fügung veniam peto fehlt ein a vobis; was andeuten könnte, dass die Kardinäle in die Malversation involviert sind.

Wo hat dieser Papst gefehlt?!

Nunc autem Sanctam Dei Ecclesiam curae Summi eius Pastoris, Domini nostri Iesu Christi confidimus sanctamque eius Matrem Mariam imploramus, ut patribus Cardinalibus in eligendo novo Summo Pontifice materna sua bonitate assistat. Quod ad me attinet etiam in futuro vita orationi dedicata Sanctae Ecclesiae Dei toto ex corde servire velim.
Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.

Es braucht keine besondere Erklärung nachzuvollziehen, dass eine neue Papstwahl ungültig wäre, wenn der vorangegangene Papst rechtsunwirksam zurückgetreten wäre. An das Erfordernis der freien Willenerklärung sind hier besonders strenge Maßstäbe anzulegen. Bereits der Anschein einer Unfreiwilligkeit sollte Anlass zur Sorge geben. Aus diesem Grund ist eine kirchen-gerichtliche Untersuchung der Umstände, wie es zur Verzichtserklärung kam, unabdingbar, zumal diese, hier kritisierte Erklärung, wie gezeigt, zahlreiche Unstimmigkeiten und Fehler aufweist, die eindeutig darauf schließen lassen, dass es dem Papst am von Canon 332 Absatz 2 CIC geforderten freien Willen tatsächlich gemangelt hat!

99 Kommentare zu “Ist die Rücktrittserklärung Benedikts XVI. vom 11. Februar 2013 rechtsgültig?

  1. Bitte den Fehler „mit dem Verzicht auf das munerem“ ausbessern. Es muss „munus“ heißen, da es Neutrum ist. Dann mein Posting wieder löschen.

      • Futur ist sicherlich besser, vielleicht sogar notwendig, aber der Konjunktiv ist ja irgendwie aucht notwendig. Hier soll man sich angeblich mit der Umschreibung durch das Partizip Futur behelfen. Vielleicht „futurum sit“?

        • Das participum futurum drückt ein Wollen, ein Im-Begriffe-Sein, etwas zu tun, aus und bezöge sich nach Ihrer Version, wonach dieses Prädikat noch Teil des AcI sein soll, erst recht wieder auf ein Tun durch Benedikt selbst: wäre also gleichfalls falsch.

  2. Errare humanum est, eben, machen Sie halt meine Korrektur-Kommentare (sowie auch diesen) wieder weg. Ich finde den Artikel recht interessant und will nicht dessen Autorität durch gefundene Fehler mindern.

    • Jeder, der der lateinischen Sprache mächtig ist, und auch sonst etwas an Intellektualität vorzuweisen hat, wird wissen, dass der von Ihnen aufgezeigte Fehler (munerem statt munus) erstens kein schwerer sondern ein Flüchtigkeitsfehler war und zweitens gar nicht imstande sein kann, die aufgezeigten gravierenden Unstimmigkeiten in Benedikts XVI. Rücktrittserklärung ungeschehen zu machen, welche alles andere als Flüchtigkeitsfehler sind, sondern offensichtlich mit Vorbedacht gesetzt wurden.

      • Klar sind das Flüchtigkeitsfehler.
        Dass die Fehler in Benedikts declaratio mit Vorsatz von ihm selbst oder vielleicht auch von seinen Freunden, die nicht wollten, dass er zurücktitt, gesetzt worden sind, ist auch mein Eindruck. Man weiß ja auch (etwa aus dem Conpact-Magazin), dass seine Entfernung bis spätestens November 2012 geplant war; offenbar hat er noch drei Monate Gnadenfrist zur Vorbereitung seines Rücktritts bekommen.

  3. Wenn das „convocandum esse“ sogar von Prof. Stroh, der als weltweit bester Lateinsprecher gilt, nicht beanstandet wird, glaube ich, dass es außerhalb des ut-Satzes zu sehen ist, dass also „esse“ als ACI noch von declaro abhängt:

    … declaro me … renuntiare (ita ut …) et Conclave convocandum esse.

    Klar, die deutsche Übersetzung lässt natürlich nicht darauf schließen, aber die kann man sowieso vergessen.

    • Wenn das dazwischen stehende ita ut nicht einen Nebensatz mit eigenständigem Prädikat, das außerhalb des AcI stehen muss, einleiten würde, hätten Sie technisch Recht. Außerdem müsste dann nach vacet ein Beistrich stehen.

      Allein selbst dann wäre die (von Ihnen gewählte) Aussage, wonach Benedikt erklärt, dass einberufen werden soll, widersinnig, denn ein zurückgetretener Papst hat nichts mehr anzuordnen, und unterstriche somit meine Sichtweise, wonach der Rücktritt zwanghaft war.

      • Ein Prädikat nach ita ut kommt schon noch, nämlich vacet, das müsste den Nebensatz abschließen. Kommas wurden hier ja nicht gesetzt, sodass ich das nur deshalb so folgere, da eben andernfalls die Grammatik nicht aufrecht erhalten werden kann. Dass sich die deutsche Übersetzung nicht nach meiner „Folgerung“ richtet, zeigt ja wohl, das es nicht so verstanden wurde, demnach ein Grammatik-Fehler vorliegt. Andererseits: ein Konklave kann er ja vor dem 28. Februar noch einberufen; davor ist er ja noch Papst.

        • Eben steht nach vacet kein Beistrich! Müsste aber, wenn das Nachfolgende zweiter Teil des AcI sein hätte sollen.

          Entweder ich entschließe mich, „aus Alters- und Schwächegründen“ (sic!) zurückzutreten: Dann sollte ich das konsequent und prompt tun, und keine Fristen dafür mehr setzen, während welcher ich noch irgendwelche Amtsgeschäfte verrichte, zu denen ich angeblich zu schwach und zu alt bin. Oder ich bin eh noch fähig, des Amtes zu walten und Verfügungen zu treffen: Dann brauche ich aber nicht zurückzutreten!

          Widersprüche über Widersprüchen!

          • Jetzt habe ich gerade bei Prof. Stroh nachgeschaut, der hat das indirekt doch beanstandet, indem er in seinem Mustertext („Versuch einer Stilübungsversion“) „convocandum sit“ schrieb. Das Futur fehlt auch hier; es steckt aber irgendwie schon in dem „convocandum“ („zusammengerufen werden muss“), so dass das Zusammengerufensein eben noch nicht geschehen ist, also zukünftig ist, ist ja auch bei „Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ ähnlich.

            • Da irrt sich aber auch der Herr Professor Stroh!

              Denn ausgehend vom Willen Benedikts, seinen Rücktritt zwar gleich zu erklären, ihn aber erst nach einer (zugleich ausgedrückten) Frist wirksam werden zu lassen, hat sich auch das Zusammengerufen-werden-Müssen erst auf diesen zukünftigen Zeitpunkt zu beziehen, zu dem der Rücktritt wirksam werden soll: Denn erst wenn er wirksam ist, muss zusammengerufen werden. Daher sehr wohl Futur.

              Bei Karthago bezog sich die Meinung Catos, wonach es zerstört werden soll, ja wohl auf den frühest möglichen Zeitpunkt solcher Zerstörung, mithin durchaus auch auf eine unmittelbare Gegenwart.

  4. Was ist für die wichtigste Phrase halte, ist: „ut vobis decisionem … communicem“.

    „decisio“ ist ja eine Abmachung, auf keinen Fall eine Entscheidung basierend auf ausschließlich eigenen Überlegungen, allenfalls noch, wie es im Georges steht, eine „durch ein Abkommen herbeigeführte Entscheidung“.

    Prof. Stroh meint hier, dass sich Benedikt von neueren Sprachen (engl. decision, italienisch decisione usw.) habe leiten lassen, führt aber nicht weiter aus, was denn so ein Wort für Konsequenzen hat.

    Ich meine, man sollte nicht davon ausgehen, was er angeblich sagen wollte, sondern was er wirklich gesagt hat: „um euch eine Abmachung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen“.

    Da haben also zwei Parteien miteinander verhandelt, und das Ergebnis dieser Verhandlung wird jetzt den Anwesenden mitgeteilt. Das und nichts anderes steht in der Erklärung.

    • Eine höchst interessante Genauigkeit, die mir in der Tat gar nicht aufgefallen war, und die weiter belegt, dass Benedikts Entscheidung nicht allein auf ihm beruhte.

      Man beachte ja auch, dass er in diesem Zusammenhang von einer großen Wichtigkeit für das Leben der Kirche spricht: Warum sollte der Rücktritt eines altersschwachen und müden Papstes das Leben der Kirche betreffen, wenn nicht negativ deshalb, weil der Rücktritt nicht seine freie Entscheidung war, sondern mit anderen Mächten paktiert worden ist, was negative Auswirkungen auf die künftige Handhabe betreffs der Amtsdauer der Päpste haben würde.

  5. Es sind noch mindestens zwei Sachen zu besprechen. Hier zunächst nur

    1. Warum macht der Papst eine rechtlich so wichtige Erklärung nicht im Pluralis Maiestatis, wie er es bei seiner ersten päpstlichen Rede auf Latein getan hat?

    Vgl. den Wikipedia-Eintrag zu Pluralis Majestatis:

    (Zitat)
    Der Pluralis Majestatis ist die Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht. Hintergrund der Wahl der Mehrzahl ist, dass Monarchen oder andere Autoritäten immer für ihre Untertanen beziehungsweise Untergebenen sprechen und gleichzeitig eine Hervorhebung der eigenen Person stattfindet.[1]

    Er war früher bei Adligen und Würdenträgern („Wir, Benedictus PP. XVI im 1. Jahr Unseres Pontifikates …“) zu offiziellen Anlässen üblich. Der Pluralis Majestatis wird immer großgeschrieben.
    (Zitat Ende)

    Meines Erachtens fühlte sich Benedikt XVI. zur Zeit des Rücktritts nicht mehr als Majestät. Ein König, der nichts zu sagen hat, weil man ihm nicht gehorcht, weil man ihm droht usw., hat halt so ein Gefühl nicht mehr. Ansonsten hätte er sich zusammenreißen können und den juristisch wichtigsten Akt formvollendet vermitteln können.

  6. 2. Ihre Version mit dem zu „ministerio“ kongruenten „commisso“ ist ja bereits die verbesserte. Im Orignial hieß es „commissum“, wie man hier

    bei Minute 1:15 klar hören kann. Es muss aber nicht unbedingt ein Fehler sein, sondern man kann das so übersetzen, dass er seiner Dienerschaft (ministerio) das ihm durch die Hände der Kardinälen 2005 Anvertraute (commissum) berichtet (renuntiare). Oder dass er seiner Dienerschaft das ihm Anvertraute aufkündigt. Kündigt man einer Dienerschaft?

  7. Sie haben ja bereits darauf aufmerksam gemacht, dass vom Papst offenbar termini technici (t.t.) vermieden werden. Offizieller Ausdruck ist in der Tat sedes Sancta oder sedes apostolica (sowas wie abgesandter Stuhl) und nicht sedes Sancti Petri. Der gehört ja auch nicht dem Petrus; auf dem ist er ja nur eine Weile gesessen. Mit sedes Romae (sedes Romana in besserem Latein) kann auch der Regierungssitz Italiens gemeint sein. Auch müsste es wohl munus statt ministerium heißen (für die korrigierte Version: ministerio … commisso), wie Sie erwähnt hatten. Prof. Stroh nennt die Wahl-Aufgabe der Kardinäle übrigens auch ein munus und nicht ein ministerium.

    Jetzt habe ich einen weiteren Ausdruck unter die Lupe genommen, nämlich den Ausdruck Summus Pontifex. Anfangs dachte ich, ob es nicht Pontifex Maximus heißen müsste; in der Tat ist aber der offizielle Titel „Summus Pontifex Ecclesiae Universalis“. Erwähnt ist also der Titel nur halb. Man könnte vielleicht sagen, dass es ja klar sei, dass sich „summus“ auf die ganze Kirche bezieht. Aber selbst, wenn das klar ist, was ist damit gemeint? Es ist ja nur ein Titel, den der Papst hat. Vielleicht aber haben diesen Titel auch andere, ich meine, wenn man ihn mittels eines genitivus partitivus einschränkt.

    In Wikipedia steht unter dem Eintrag „Papst“ unter den offiziellen Titeln:
    „Summus Pontifex Ecclesiae Universalis“, „Oberster Priester der Weltkirche“: Dieser Titel regelt seine Stellung in der Liturgie, zum Beispiel in der Konzelebration mit Patriarchen. Hört sich also so an, als ob der Papst in einer Weise („ita“, ein sehr wichtiges Schlagwort, wie Sie bemerkt haben) „zurücktrit“ (falls man diese Passage noch zum ut-Satz zählt und die korrigierte Version („ministerio … commisso“) gilt), dass er wegen körperlicher Schwäche der Liturgie nicht mehr vorstehen kann, sowie sich Papst Johannes Paul II. in der letzten Ostermesse von Kardianl Sodano vertreten ließ; dass halt ein neuer Liturgievorsteher zu bestimmen ist. Zumindest stellt sich die Frage:

    Warum vermeidet Benedikt das Wort „Papst“ (sowie auch die anderen t.t.)? Wäre es nicht klarer einfach zu sagen: „ad eligendum novum Papam“ oder besser: „ad eligendum Papam“, um dieses profane und unnötige „novus“ wegzulassen, wie es auch Prof. Stroh in seiner Stilübung macht? Dann wäre zumindest in dieser Passage klar, was gemeint ist.

    Warum vermeidet Benedikt das Wort „Papst“? Weil das ja er ist und auch bleiben will.

    • Ja, es ist tatsächlich misteriös.

      Und ich denke nicht, dass wir davon ausgehen dürfen, dass Benedikts Lateinkenntnisse so schlecht gewesen wären. Dies anzunehmen, wäre wohl ebenso frivol wie unzutreffend.

      Dass er diese von uns hier aufgedeckten Ungereimtheiten in den Text seiner Rücktrittserklärung eingebaut hat, muss also Gründe haben, die anderswo liegen.

      Und ich denke, dass unsere Ergebnisse längst ausreichen, eine nicht einfach vom Tisch zu wischende Indizienfülle zu ergeben, der zufolge von intrigantem Zwang ausgegangen werden muss.

      Welcher völkerrechtlich diesen Rücktritt unwirksam macht, sodass wir heute tatsächlich zwei Päpste haben, soferne nicht die Bestellung Franziskus‘ als rechtsunwirksam angesehen werden muss, weil eine Sedisvakanz gar nicht vorlag noch vorliegt.

      Ein insgesamt unerträglicher Zustand, der sich bis in weitere Zukunft fortsetzen könnte, wenn die RKK diese Optik nicht auszuräumen angeht.

    • Noch ein Nachsatz dazu:

      Nach Can. 188 CIC ist ein Verzicht, „der aufgrund schwerer, widerrechtlich eingeflößter Furcht, arglistiger Täuschung, eines wesentlichen Irrtums oder aufgrund von Simonie erfolgte“, von Rechts wegen ungültig.

      Außerdem muss der Verzicht gemäß Can. 189, damit er gültig ist, „gegenüber der Autorität erklärt werden, der die Übertragung des betreffenden Amtes zusteht, und zwar schriftlich oder mündlich vor zwei Zeugen“.

      Soweit ich mich erinnere, war zumindest in den Medien keine Rede davon, dass Benedikt vor das Konklave getreten wäre, um seinen Verzicht dort mündlich zu erklären.

      Zumal er ihn bereits mündlich vor der versammelten Priesterschaft erklärt hatte, die zur darin genannten Heiligsprechung anwesend waren, ist zu vermuten, dass er keinen schriftlichen Verzicht an das Konklave gerichtet hat. Dies wäre denn auch im Widerspruch zum Text des Verzichts selbst, wonach dieser mit 28. Feber wirksam sein hätte sollen: also noch bevor das neue Konklave zusammentrat.

      Fraglich könnte jetzt nur mehr sein, ob die hier zitierten Stellen des CIC auch auf das Papstamt selbst anwendbar sind.

      Ich habe das Kirchenrecht nicht studiert, bin also in diesem Punkt im Moment um eine verbindliche Antwort auf diese Frage verlegen. Doch denke ich mir, dass nach allgemeinen, natürlichen und vernünftigen Rechtsgrundsätzen, die wohl auch im Kirchenrecht gelten werden, eine solche Anwendbarkeit wenigstens dann gegeben sein sollte, wenn erstens keine spezifischere Norm im übrigen Kirchenrecht zur Frage des Verzichts des Papstes selbst existiert, noch sonstige sachliche Gründe gegen eine solche Anwendbarkeit sprechen.

      Ein Verzicht ist schon seiner Natur nach eine Erklärung, welche an ein Adressat zu richten ist, welches zum Recht (oder hier: dem Amt) auf das verzichtet wird, in einer rechtswesentlichen Beziehung steht. Bei verliehenen Ämtern liegt somit nahe, dass es jene Institution ist, welche das Amt verleiht: Das ist hier das Konklave.

      Folglich wäre der richtige Weg gewesen, dass Benedikt, wie er ja in seinem Text anderwärts auch angesprochen hat: selbst ein Konklave einberufen hätte, um vor diesem oder diesem gegenüber schriftlich seinen Verzicht zu erklären.

      Nichts von dem geschah!

      In meinen Augen ist der Skandal perfekt und Franziskus unrechtmäßig sowie, was noch viel wichtiger ist: unwirksam im Amte!

      • Nur mal kurz:
        Das klingt alles absolut logisch. In diesem Zusammenhang ist vor allem interessant, dass der falsche Adressat sogar Bestandteil der sog. Rücktrittserklärung ist. Sozusagen, damit es auch der Dümmste merken soll.

        Ich habe einen CIC zuhause, hoffe, dass ich ihn finde, und werde mal nachblättern, ob es betreffs Papstrücktritt Sonderregelungen bzgl. Adressat gibt.

          • Das heißt, dass Sie alles diesbezüglich schon durchstöbert haben. (Den CIC hab ich übrigens nicht gefunden; liegt wohl noch auf dem Dachboden meines Bruders, von wo ich umgezogen bin; bin etwas verkältet und hätte darin gestern im Bett liegend gern etwas nachgeblättert.)

            Nochmals zur Sache: Ich weiß sicher, dass Papst Benedikt XVI. am Konklave nicht teilgenommen hat; somit scheidet eine mündliche Rücktrittserklärung vor dem Konklave aus. Hätte es eine schriftliche gegeben, so meine ich, wäre sie doch veröffentlicht worden.

            Stattdessen liegt uns nur eine Original- und eine schlecht korrigierte Erklärung vor, die er an Personen gerichtet hat, die mit drei Heiligsprechungen zu tun hatten.

            Ich könnte mir, rein vom Gefühl her, auch noch vorstellen, dass eine richtige Rücktrittserklärung auch dann gültig wäre wenn sie an alle, also an die Öffentlichkeit erginge, z.B. während des Segens Urbi et Orbi oder in Form einer Enzyklika, sodass damit die Konklave-Teilnehmer miteingeschlossen wären.

            Aber die Erklärung erging ja fast schon demonstrativ an eine ausgewählte Gruppe, die eben mit drei Heiligsprechungen zu tun hatten. Das ist vergleichbar mit folgender Geschichte:

            Student Ben will seine Wohnung bei Konrad kündigen. Er geht also ins Wirtshaus zu Wirt Wilfried und sagt ihm das, gibt es ihm sogar noch schriftlich. Ein Fernsehteam filmt das und verbreitete es weltweit in allen Nachrichten, sodass es sogar Konrad mitbekommt. Ist die Kündigung nun rechtsgültig?

            • Vorneweg: Gute Besserung!

              Ja, soweit überblickbar, habe ich den CIC durchforstet und nichts Konkretes dazu gefunden. Andererseits sagen die oben zitierten Canones ja auch nicht, dass sie nicht auf den Papst anzuwenden wären.

              Danke für die interessante Info zum Konklave!

              Ihr Vergleich ist trefflich. Meine Antwort auf die Frage lautet aber, um es vorweg zu nehmen: Nein! Denn die Kündigung zählt (ebenso wie der Amtsverzicht) zu den zugangspflichtigen Rechtsgeschäftserklärungen, was bedeutet, dass der ihnen zugrunde zu liegen habende Rechtsgeschäftswille auch den Zugang beim relevanten Adressat zu umfassen hat, will heißen, der Kündigende muss beim Ausspruch der Kündigung wollen, dass sie dem Vermieter zukommt.

              In Ihrem Beispiel wie auch im Falle der Amtsverzichtserklärung Benedikts muss an diesem Rechtsgeschäftswillen ernstlich gezweifelt werden, weil der Inhalt der Erklärung schon Zweifel am Willen, überhaupt eine rechtswirksame Erklärung abzugeben, aufkommen lassen muss, sodass selbst das Wissen Benedikts, wonach die Medien seine Erklärung kolportieren würden, nicht mit seinem fraglichen Willen, dass dies geschehe, verwechselt werden darf.

              • Dass der Verzicht eines Papstes direkt vor dem Konklave bekannt gemacht werden muss, scheint mir aufgrund der „Sonderregelung“ in

                Can 332, § 2. Si contingat ut Romanus Pontifex muneri suo renuntiet, ad validitatem requiritur ut renuntiatio libere fiat et rite manifestetur, non vero ut a quopiam acceptetur.

                doch nicht dringend geboten. Es heißt hier, dass die renuntiatio … „rite manifestetur“, was im deutschen CIC mit „hinreichend kundgemacht“ übersetzt ist, also doch nicht vor dem Konklave bekannt gemacht werden muss.

                Allerdings halte ich die deutsche Übersetzung für vereinfacht. „rite“ kommt von „ritus“ und heißt „nach herkömmlichem Brauch“, „auf gehörige Weise“, was möglicherweise einen Verzicht vor dem Konklave beinhaltet, da es sich halt gehören könnte, auch Can. 189 zu beachten; Letzteres halte ich eher für unwahrscheinlich, es sei denn, es war der althergebrachte Brauch so. Da müsste man Cölestins V. Rücktrittsweise besser kennen. Da es aber insbesondere heißt, dass der Rücktritt nicht von irgendjemand (a quopiam) angenommen werden müsse und nicht, dass der Rücktritt nicht vom Konklave angenommen werden müsse, gehe ich davon aus, dass er nicht speziell dem Konklave zu melden ist. Er muss nur „rite“ bekannt gemacht werden.

                Das „rite“ scheint mir unerfüllt, wenn er vor einer Heiligsprechungs-Versammlung den Rücktritt erklärt. Irgendwie stelle ich mir unter „rite“ eine etwas feierlichere Form vor: es muss ja nicht gleich der Pluralis Maiestatis sein, aber wenigstens eine Form, der kein Kann-nicht-mehr-Gejammere vorausgeht: „Ich bin handlungsunfähig, handle aber und trete zurück mit Wirkung in der Zukunft und spreche heilig.“ Diese Widersprüche haben Sie ja in Ihrem Artikel bereits angesprochen. Mir werden sie jetzt auch immer mehr bewuss; ich empfinde sie nun als einen Verstoß gegen das „rite“.

                Wie ist es eigentlich, wenn ein Kinder- und Eheloser sein Testament wie folgt schreibt: „Ich bin unzurechnungsfähig und vererbe mein ganzes Eigentum meinem Neffen Herbert.“ Gilt das dann?

                • Na, da muss dann wohl meine Suche als ausgesprochen schlampig angesehen werden, zumal ich auf Can. 332 nicht stieß! Gleichwohl nehme ich mir heraus, Ihr Auslegungsergebnis wie folgt zu kritisieren:

                  Zum einen ist vorneweg festzuhalten, dass der Umstand, demzufolge der Verzicht, wie Sie meinen, nicht vor dem Konklave abzugeben sei, nichts an den Unstimmigkeiten, die wir beide im Rücktrittstext gefunden haben, zu ändern vermag, welche Unstimmigkeiten, wie wir beide einhellig der Meinung waren, doch erheblichen Zweifel an der Freiheit des Entschlusses zurückzutreten aufkommen lassen.

                  Zum anderen ist das rite manifestetur mit hinreichend kundgemacht zweifelsohne falsch übersetzt: Dies zumindest dann, wenn man kundmachen als eine Zur-Kenntnis-Bringung-einer-breiten-Öffentlichkeit versteht. Denn manifestare bedeutet nach GEORGES, Band II, 216, nur: sichtbar machen, deutlich zeigen, offenbaren, an den Tag legen; sagt also für sich noch nichts über das Forum aus, vor dem dies getan werden muss, sondern eben nur, dass der Verzicht entsprechend geäußert werden muss, und nicht etwa nur in Form einer Mentalreservation, also für sich im Stillen, beschlossen oder nur schlüssig erklärt werden darf. Hinzukommt nun nach Can. 332, dass er eben rite geäußert werden muss, mithin, um wieder mit GEORGES, Band II, 1410, zu sprechen: I) nach rechtem -, nach gehörigem Religionsgebrauch, nach den gehörigen Zeremonien; II) A) in feierlicher Form, gesetzlich; B) auf rechte, gehörige Weise, etc. Damit, mit dem rite also, ist somit deutlich ein Verweis auf Can. 189 hergestellt, wie ich deswegen meine, weil unter den hier wiedergegebenen Bedeutungsvarianten dieser Vokabel angesichts dessen, worum es geht, jene zu bevorzugen ist, die Rechtliches betrifft; und weil dort (in Can. 189) generell und gesetzlich, sowie – wie oben erklärt – auch vernünftig und sachlich nachvollziehbar, vorgesehen ist, wie ein Amtsverzicht in der RKK zu erfolgen hat, nämlich insbesondere gegenüber jener Instanz, die das Amt verliehen hat. Und dies ist im Fall des Romanus Pontifex nun einmal das Konklave.

                  Demnach sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt, wo wir festhielten, dass die renuntiatio gegenüber dem Konklave erklärt, und zwar frei (und wie wir hier und jetzt erfuhren, auch ausdrücklich, mithin in klaren Worten [schriftlich oder mündlich]) erklärt, von diesem aber, wie Can. 332 sagt, nicht angenommen zu werden braucht, um wirksam zu sein.

                  Mein Urteilsschluss, wonach dieser Verzicht Benedikts aus mannigfaltigen Gründen unwirksam war bzw. ist, bleibt also uneingeschränkt aufrecht.

                  Post scriptum:

                  Lustig finde ich, dass ich gerade eben festgestellt habe, dass mir Can. 332 ja doch bereits unter gekommen war, nämlich als ich den obigen Hauptartikel verfasst habe. Seinerzeit war ich vielmehr umgekehrt nicht auf die Cann. 188 und 189 gestoßen. Wie doch die Kapazität meines Gehirns, was ein längerfristiges Gedächtnis angeht, bereits unter meinem Alter leidet: schrecklich! 🙂

                  • Da bin ich ja so richtig beruhigt. Dass Sie Can. 332 in Ihrem Artikel zitiert haben, wusste ich, dachte aber, dies in meinem Posting nicht extra erwähnen zu müssen. So fasste ich Ihr „ausgesprochen schlampig“ betreffs Ihrer Suche zunächst als ironische Kritik an meinem Posting auf.

                    Ich hatte mir nach Lesen des Paragraphen in Deutsch halt gedacht, dass Sie dem „rite manifestare“ zu wenig Beachtung geschenkt hätten, nach dem Motto: steht ja da, der Rücktritt müsse nur allen, naja hinreichend steht zwar nicht da, bekannt gemacht werden. Sogar beim „manifestare“ hatte ich im Georges nachgeschaut und merkte die etwas andere Bedeutung, war jedoch von der deutschen Übersetzung beeinflusst und dachte, wenn man’s bekannt macht, ist es ja deutlich gezeigt. Wer denkt denn schon, dass man zwei Wörter hintereinander völlig falsch übersetzt bekommt! Übersetzt da der Kindergarten? Oder steckt da pure Absicht dahinter, um mal einen Papst leichter zurücktreten zu können?

                    Nach „deutschem CIC“ scheint es für den Rücktritt ausreichend, wenn der Papst ganz ungezwungen mal dahinnuschelt: „Ich mag nicht mehr. Ich hab genug. Ich hör jetzt auf mit dem Papstsein!“, vorausgesetzt, dies wird irgendwie hinreichend bekannt.

                    Ihre Darlegungen haben mich also überzeugt.

                    Ich hätte trotzdem gern einen historischen Vergleich: Zum Konzil in Konstanz steht in Wikipedia über den rechtmäßigen Papst Gregor XII.: „Am 4. Juli erklärte Gregor seinen Rücktritt, den das Konzil bestätigte. Diese Entscheidung des Konzils erkannte Gregor nicht an, war er doch wie versprochen „freiwillig“ zurückgetreten.“ Diese Nichtanerkennung der Entscheidung des Konzils dürfte vielleicht in den CIC hier eingeflossen sein, indem es heißt, dass der Papstrücktritt von niemandem angenommen werden muss. Man kann aber auch daraus schließen, dasss Gregor XII. den Rücktritt dem Konzil erklärt hat, wenn es ihn schon bestätigen konnte. Das Konzil dürfte die Konklave-Leute miteingeschlossen haben. Den Rücktritt damals dem römischen Konklave zu erklären, wäre damals schlecht gewesen, da ja Rom- und Avignon-Konlave zuvor verschiedene Päpste wählten. Außerdem scheinen hier die Konzilsväter das Procedere der Papstwahl erst geklärt zu haben, sodass diese (zumindest hier in diesem Fall zur Beendigung des Schismas) die eigentlichen Amtsverleiher waren: „Deshalb griffen die Konzilsväter zur Papstwahl auf das bewährte Prinzip der nationes zurück“. Der Rücktritt Gregors XII. dürfte also auch dem heutigen Can. 189 entsprochen haben.

                    Auch bei Cölestin V. war es keine solche Hauruckaktion. Da heißt es: „Zuvor hatte Coelestin noch eine Konstitution über die Abdankung eines Papstes erlassen. (Was in der Konstitution drin stand, wüsste ich gerne.) Dazu sah er sich durch den Widerstand des Volkes veranlasst, das mit einer Demonstration vor dem Amtssitz des Papstes dessen Demission verhindern wollte. Sie verzögerte sich aber nur um sieben Tage. Nach Erlass der Konstitution legte Coelestin die päpstlichen Insignien nieder und tauschte die päpstlichen Gewänder wieder gegen die Mönchskutte.“

                    Seine Rücktrittserklärung bitte unbedingt anschauen:
                    http://www.oldenbourg.de/osv/download/newsletter/abdankung_coelestins_v_2.pdf
                    Der Rücktritt ist mit den beiden Worten „cedo papatui“ hinreichend und eindeutig, ohne Grammatik-Fehler, ausgedrückt. Aber ein Adressat fehlt. Oder hatte sie einst einen?

                    • Nachzuforschen, wie es sich damit vor Jahrhunderten verhalten hat, dürfte wohl eine Aufgabe sein, welche Gelehrten des Kirchenrechts vorbehalten zu bleiben hat, ein welcher ich unglücklicherweise nicht bin.

                      Doch vergleicht man den CIC 1983 mit seinem Vorgänger, dem CIC 1917, wird man schon fündig, was einige Veränderungen angeht, die Klarheit auch in die uns hier beschäftigenden Fragen bringen:

                      So lautete die analoge Vorgängerbestimmung zu Can. 332 CIC 1983, nämlich Can. 221 CIC 1917, wie folgt:

                      Si contingat ut Romanus Pontifex renuntiet, ad eiusdem renuntiationis validitatem non est necessaria Cardinalium aliorumve acceptatio.

                      Hier war also noch ausdrücklich auf die Kardinäle, mithin das Konklave verwiesen, was die Annahme des Verzichts angeht, und bestimmt, dass eine solche nicht nötig ist. Im Verein mit der Bestimmung des Can. 187 § 1 CIC 1917:

                      Renuntiatio generatim, ut valeat, ei fieri debet a quo est acceptanda, vel, si acceptatione non egeat, a quo clericus officium accepit vel qui eiusdem locum tenet.

                      wird nun klar, dass der Romanus Pontifex seinen Verzicht sehr wohl an die Kardinäle als jene zu richten hatte, von denen er sein Amt empfing, obschon diese ihn nicht anzunehmen brauchten, damit er wirksam sei, was allein Can. 221 CIC 1917 besagte.

                      Cann. 189 und 332 CIC 1983 haben daran insofern nichts geändert, als ersterer nach wie vor vorsieht, dass der verleihenden Instanz gegenüber zu erklären ist, und letzterer bestimmt, dass von niemandem anzunehmen sei, was an ersterem nichts ändert.

      • Errare humanum est.

        Übrigens noch ein Nachsatz zum rite:

        Selbst wenn man dies nur als feierlich verstehen wollte, läge dies im Falle der von Benedikt verlesenen Erklärung schon deshalb nicht vor, weil er diese Vorlesung aber schon derart schludrig und geleiert vornahm, dass auch darin eine Absicht zu erkennen ist, um jeden Preis gegen die Vorschriften zu verstoßen, um den Rücktritt ja nicht wirksam sein zu lassen.

  8. Ich finde, wir sollten mehr tun, um das alles an die Öffentlichkeit zu bringen. Erste Angehstation ist meiner Ansicht nach katholisches.info; da bin ich nämlich erst auf die Idee gekommen, der Sache nach der Gültigkeit des Rücktritts nachzugehen, und zwar aufgrund des Artikels

    http://www.katholisches.info/2014/09/15/es-gibt-nur-einen-papst-katholiken-duerfen-nicht-progressiver-versuchung-erliegen/

    Da war dann in den Kommentaren u.a. von der Ungültigkeit des Rücktritts wegen Fehlern in der Erklärung die Rede. Die Erklärung müsse in fehlerfreiem Latein sein, sagte jemand. Konkretes kam aber nicht. Da ich zudem schon bei B5 aktuell hörte, dass in einem Lateinsprecherkurs in Rom behauptet wird, dass Benedikt in seiner Rücktrittserklärung sogar Anfangsfehler gemacht habe, googelte ich nach den Stichworten Rücktrittserklärung Latein Fehler und kam auf Ihre und Professor Strohs Seite.

    Auf katholisches.info wartet man m.E. auf eine solche Analyse. Die Kommentare zu besagtem Artikel zeigen nämlich, dass keiner was Genaues sagen konnte.

    • Mein(e) liebe(r) R. Martin,

      zum einen ehrt mich Ihre Erklärung, wonach meine Seite mit derjenigen des Herrn Professors die einzige war, die auf die Problematik näher eingeht. Zum anderen zählt mein Beitrag zu Benedikts Verzichtserklärung zu jenen in meinem Blog, die den emsigsten Zugriff durch User aufweisen.

      Selbstredend haben Sie Recht, wenn Sie der Auffassung sind, dass das alles publik gemacht gehört. Doch wer sich dafür wirklich interessiert, der wird, so wie Sie, sehr schnell fündig, wenn er das Netz bemüht.

      Abgesehen davon, habe ich mir überlegt, dass dieser unerträgliche „Doppelzustand“ spätestens mit dem Tod Franziskus‘ bzw. mit der nachfolgenden Berufung eines neuen Summi Pontificis sein Ende finden wird, sofern dann auch Benedikt bereits beim Herrn weilen wird. Sonst bei der nächsten Papstwahl, auf die solches zutrifft.

      Wir haben es also jedenfalls mit einem endlichen Intermezzo zu tun, das, sofern sich Benedikt, was zu hoffen bleibt, – wenn ich das so sagen darf – auf die Hinterbeine stellen sollte, nur befruchtende Wirkung auf den Output der Leitung der RKK haben kann: durch den Widerstreit, die wechselseitige Unterstützung durch die beiden Päpste, und die Ungewissheit für die missetätliche Öffentlichkeit, wer von beiden nun was bestimmt oder angeordnet hat. Ich denke, es kann für ein solch hohes Amt auch bloß von Vorteil sein, wenn sein Inhaber so, wie Benedikt dies derweil tut, zurückgezogen lebt, um sich ganz dem Gebet und der Wissenschaft hinzugeben.

      Unterm Strich gefällt mir die Situation also ganz gut, denn sie könnte läuternde Wirkung auf die weitere Kirchenleitung haben, und wenn ich mich recht erinnere, hatte ich im Drogenrausch (Cannabis) seinerzeit, als ich ihm noch frönte, also etwa 2005, sogar ein Zwei-Päpstetum postuliert, in einem meiner zahlreichen Posts, damals noch auf vol.at.

      Zum Abschluss noch eine Beichte, die Sie vielleicht interessiert: Ich bin zwar katholisch getauft, gehöre dieser Konfession aber nach herkömmlichen Kriterien seit meinem siebten Lebensjahr nicht mehr an. Bis zu meinem 14. Lj. war ich Mormone; seither bin ich konfessionslos.

      Meine Religion ist offen für alle metaphysischen Theorien und transzendentalen Erklärungsversuche, die für mich Sinn ergeben und mir helfen, mit der Erkenntnis des sicheren Todes fertig zu werden. Dazu zählt vieles, was die RKK lehrt. Aber auch manches, was ich vom Koran weiß, zB.

      Aber ich werde mir die von Ihnen verlinkte Seite einmal ansehen, und dann entscheiden, ob ich mich dort einbringen will.

      Kamillen- und Salbeitee gegen die Entzündungen, aber auch Lindenblütentee zum Schwitzen, sind jetzt angezeigt.

      Alles Liebe!

  9. Sagen wir mal so: Wenn Sie nicht nach herkömmicher Art katholisch sind und von Ihrer Glaubenseinstellung her weder für Franziskus noch für Benedikt Partei zu ergreifen scheinen, wirkt Ihre Analyse viel objektiver, während es mir meine Pro-Benedikt-Haltung schwer macht, bei der Beurteilung der Rücktrittsdebatte die nötige Objektivität zu wahren.

  10. Benedikt liest bei seiner „renuntiatio“ einen Text von einem Zettel ab. Veröffentlicht wird zunächst eine fehlerhafte Originalversion, dann eine korrigierte Version, die zumindest in einem Punkt („commisso“ statt des gesprochenen „commissum“) nicht mit dem Gesagten übereinstimmt. Wissen Sie, ob uns dieser Original-Zettel vorliegt oder ob er ihn für sich behalten hat?

    • Nein, das weiß ich nicht. Diesen Originaltext hätte ich auch gerne. Leider war ich nicht flink genug, ihn von http://www.vatican.va herunterzuladen, solange er dort noch verfügbar war.

      Aber all das, die von Ihnen beschriebenen Eigentümlichkeiten der Genesis des Textes und seiner Kundmachung deuten sehr darauf hin, dass die renuntiatio nicht frei gewesen ist.

  11. Jetzt mal eine Frage an den Juristen: Zunächst ein tatsächliches Geschehen:
    In seinem Testament hat ein Kinderloser und Unverheirateter „Hab und Gut“ von [Angabe von Haus-Nr. und Straße] seiner Schwägerin vermacht. Das Gericht entschied, dass mit „Hab und Gut“ nur das bewegliche Inventar gemeint ist, nicht aber Haus und Grundstück. Die Angehörigen wurden aber gefragt, ob er was anderes gemeint haben könnte. Und der Fall scheint noch nicht endgültig erledigt.

    Zur Papst-Rücktritt-Sache: Es gibt ja Berichte, wonach der Papst gesagt haben soll, dass sein Rücktritt gültig sei. Nun hat das zunächst ja keinen Wert. So manch einer meinte, seine Kündigung sei gültig, und sie war es doch nicht.

    Aber, wenn er jetzt Reportern die Gültigkeit seines Rücktritts bestätigt hat (und dies nicht Bestandteil des Abkommens war), kann man ja mal annehmen, er wollte den Rücktritt. D.h. er hat mit dem ministerio das Papstamt gemeint, mit der sede Romae, der sede Sancti Petri den Heiligen Stuhl, obwohl diese Begriffe keine t.t. sind, und bei „commissum“ hat er sich nur versprohen, er meinte halt „commisso“. Zusätzlich wusste er nicht nur, dass seine renuntiatio alle Kardinäle erreicht, sondern wollte es sogar so.

    Ist es jetzt juristisch möglich, dass dann der Rücktritt trotzdem gültig ist, weil, sagen wir mal, Papst Benedikt XVI. selbst bestätigt, dass alles so gemeint war, wie es in den t.t. ausgedrückt gewesen wäre, und für seine zweifelhafte Ausdrucksweise sogar noch irgendwelche Begründungen nachliefert?

    • Erstens bleiben die ursprünglichen Ungereimtheiten, denen zufolge von einer fehlenden Willensfreiheit auszugehen war, bestehen, auch wenn er nachträglich, namentlich etwa gezwungen von denselben Mächten, die schon den Verzicht als solchen bestimmt haben, angibt, er wolle das alles ja.

      Erklärungen, welche Völkerrechtssubjekte bzw. deren Repräsentanten nach einer Vertragserklärung in Bezug auf diese abgeben, sind zur Auslegung der letzteren heranzuziehen. Das heißt aber nicht, dass über das, was ich gerade eben gesagt habe, hinweg gesehen werden könnte.

      Zweitens ist die Formvorschrift des Can. 189 CIC 1983, wonach der verleihenden Instanz gegenüber zu verzichten ist, eine absolute, weil sie ihren Sinn darin findet, dass diese Instanz selbst sich ein Bild von der Freiheit der Erklärung machen könne, was nicht gewährleistet ist, wenn hier mehrere Köche am Brei des Textes herumfuhrwerken. Außerdem scheint mir das –um bei commisso/um in dem von Ihnen verlinkten Video nicht so deutlich vernehmbar zu sein, wie Sie das darstellen. Allein, die Vorlesung des Textes hat, wie wir inzwischen wissen, nach Cann. 189 et 332 überhaupt keine rechtliche Bedeutung, ist also irrelevant, soweit sie nicht bloß dafür herangezogen werden kann, die (mangelnde) Freiheit zu beurteilen.

      Und schriftlich wurde dem Konklave, wie Sie meinten, auch nichts erklärt.

      Summa summarum fußen Ihre hier zuletzt angestellten Überlegungen alleine auf Annahmen und unbelegten Behauptungen, welche all das an substantiierten Argumentationen ignorieren, was wir bereits erarbeitet hatten.

      Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die jetzige Situation trefflich dazu dienen kann, alles, was etwa in Bezug auf Familie und Ehe etc. demnächst (namentlich unter dem Einfluss derselben zwingenden Mächte) geändert werden könnte, als rechtlich unwirksam erscheinen zu lassen, weil es von einem unwirksam ins Amt gesetzten Papst herrührt. Das ganze Brimborium stellt sich daher als Kautel zugunsten zukünftiger Notwendigkeiten dar, den dann herrschenden Status quo wieder zum Einsturz zu bringen.

      • Nur kurz: Interessant, was Sie in Absatz 3 sagen (Sinn von Can. 189).
        Zur commisso/um-Sache. War mir auch nicht immer so deutlich. Heute aber habe ich wieder deutlich „commissum“ vernommen. Muss mal einen neutralen Lateiner fragen, was der hört.

        Zum letztenr Absatz: das glaube ich auch.

          • Ich hatte gestern noch einen „neutralen Lateiner“ gefragt, wie denn das Wort nach „quinto“ heißt: Er sagte sofort: „commissum“; ich ließ es mir vorsichtshalber sogar noch aufschreiben: dass er „comissum“ mit einem „m“ schrieb, ist nicht wesentlich, die Endung hat gestimmt.

            Ich glaube, dass da zwei Stufen des Ungültigmachens vorliegen:
            1. Stufe: der Papst soll dem „ministerio“ (Dienst) entsagen, nicht dem muneri (Amt) oder dem papatui (Papsttum).
            2. dann hat sich wohl noch einer gedacht, dass ein Kongruenzfehler „ministerio … commissum“ mit so vielen Worten dazwischen nicht auffällt, aber diesen alles entscheidenden Satz zur völligen Sinnlosigkeit verurteilt.

            Nicht zu vergessen natürlich, dass der Text in die Luft gesprochen wurde, d.h. den Adressaten verfehlt hat.

  12. Nachtrag: Der Erb-Fall scheint momentan so geregelt, dass das Gemeinte gilt, wenn man’s nachweisen kann, was gemeint war. Den Hab-und-Gut-Erblasser kann man aber nicht mehr fragen, sodass das schwierig ist. Das Brisante ist aber, dass man Benedikt noch fragen könnte.

    • Wie oben bereits gesagt: Eine solche Befragung müsste unter Bedingungen geschehen, die mit Sicherheit auszuschließen vermögen, dass er erst recht wieder unter Zwang steht bzw. diesem Zwang folgend nicht seinem wahren Willen gemäß spricht. Im Übrigen stellt die bereits erfolgte Entwicklung, dass die Ganze Welt von einem wirksamen Verzicht ausgeht und davon, dass der neue Papst rechtmäßig im Amt ist, bzw. dass, das alles umzustoßen, ein gewaltiger Skandal wäre, erst recht wieder einen Zwang dar, der eine nachmalige Erklärung Benedikts als unfrei erscheinen lässt.

      Ich gestehe zu, dass dies alles ein wahres Dilemma ist. Doch was hat man anderes zu erwarten als ein solches, wenn man einen Papst unter Zwang stellt!

    • Noch ein Nachsatz:

      Wie oben angesprochen, bliebe immer ein nicht zu beseitigendes Restrisiko, dass der ursprünglich erklärte Verzicht nicht frei gewesen ist. Dies selbst dann, wenn Benedikt nun nachträglich und aufgrund der ganzen inzwischen geschehenen Umstände und auch seines fortgeschrittenen Alters glaubhaft versichern würde, dass er zumindest jetzt freiwillig zurücktreten will.

      Weil indes die ursprüngliche Unklarheit bzw. deren Ursachen zugleich auch ursächlich für die Mehrheitsentscheidung im Konklave gewesen sein könnten, welches Franziskus gewählt hat, müsste mE auch die Papstwahl wiederholt werden. Insofern kann eine nachträgliche Sanierung des Verzichts Benedikts jedenfalls nicht rückwirkende Kraft haben!

  13. Im folgenden Film ab etwa Minute 0:30

    heißt es: „Zuvor hatte Benedikt in der Sala Clementina des Apostolischen Palastes das Kardinalskollegium getroffen.“

    Papst Benedikt traf also nochmals das Kardinalskollegium, das sich ja wohl bereits nahezu vollständig wegen der bevorstehenden Papstwahl versammelt hatte.

    Man hört aber nichts davon, dass Benedikt hier seinen Rücktritt erklärt hätte. Stattdessen sagt er, dass unter diesen Kardinälen der neue Papst sein wird, eine gewagte Behauptung, muss der Papst doch gar nicht aus dem Kardinalskollegium gewählt werden. Und dann kommt sein Gehorsamsversprechen gegenüber dem neuen (gültigen?) Papst.

    Oder sollte er den Rücktritt erklärt haben, aber die Medien berichten es nicht? Er sprach da auf Italienisch, schon deswegen vermute ich, dass er hier diesen Rücktritt eben nicht erklärt hat, denn das hatte er dann doch auf Latein machen wollen, aber wohl mit Absicht vor dem falschen Publikum.

    Gleich nach seiner eigenen Papstwahl hielt er praktisch spontan und freihändig eine lateinische Rede (ich hätte die gerne, würde gerne wissen, ob in dieser freien Rede weniger Fehler drin sind als in der renuntiatio, finde sie aber nicht). Beim seiner letzten Rede als Papst vor den Kardinälen wurden diese nicht mit einer lateinischen Rede verabschiedet, sodass der Abschied weniger amtlich erscheint als der Antritt.

    Auf der Korbiniansfeier der Erzdiözese München und Freising (am Samstag nach Buß- und Bettag) kann man nach der Eucharistiefeier im Freisinger Dom, sozusagen zum mittäglichen Mal in der Aula des Freisinger Domgymnasium problemlos mal mit dem Kardinal plaudern. Kaum einer nutzt diese Gelegenheit. Aber das nächste Mal nutze ich sie und frage, ob er einen schriftlichen Rücktritt hat, ob der Papst den Rücktritt vor den Kardinälen damals „nochmals“ ausdrücklich erklärt hat. Auf Latein? Oder was könnte man ihn noch fragen?

    • Das Kardinalskollegium wird wohl kaum vollzählig gewesen sein, Ende Februar 2013. Im Übrigen ist die Vorstellung sonderbar, zu diesem Zeitpunkt könnte dieses Kollegium in großer Zahl in Rom anwesend gewesen sein, wo doch Benedikt selbst es nicht einberufen hatte und der Camerlengo es nicht einberufen konnte, weil Benedikt noch im Amt war.

      Alles deutet somit darauf hin, dass hier (selbstverständlich) auch noch andere Denker, jedoch mehr destruktive, am Werk waren, die erkannt hatten, dass die Form und Freiheit der renuntiatio verletzt gewesen waren, und so versuchten, zu kitten, was geht.

      Es wäre ja auch völlig verwegen anzunehmen, dass Benedikt seinen Amtsverzicht ordnungsgemäß einem vollzähligen Kardinalskollegium erklärt, nachdem er ihn Wochen zuvor bereits einer versammelten Priesterschaft erklärt hatte. Das passt weder an sich zusammen, noch mit der konservativen, ernsten Amtsauffassung, die Benedikt eigen ist.

      Meine Fragen stellte ich in einem Rahmen, der dem Kern der Angelegenheit näher sein könnte, und nicht hier.

      • Dass bei dieser übereiligen Kardinals-Einberufung in erster Linie ein Kitten beabsichtigt war, halte ich für durchaus möglich. Mich bringt es zumindest auf den Gedanken, dass diese schnelle, nicht vom Papst einberufene Versammlung absolut respektlos gegenüber Benedikt XVI. war, so, als könnte er nicht schnell genug abtreten.

        Dann sollte ja der Papst noch eine Art Dekret rausgeben, welches die Wahl eines neuen Papstes schneller ermöglicht, was er ja gemacht hat.

        Ich aber habe nie gesehen, was er da geschrieben hat und frage mich nun, ob dieses Schreiben etwa auch wieder rechtlich ungültig war, etwa wieder durch Verwendung der falschen t.t.; z.B.:das Konklave zur Besetzung der sedes Romae (also des Regierungssitzes des Bürgermeisters von Rom) dürfe um eine Woche vorverlagert werden. Wenn aber die Kardinäle den Papst eher wählen, wäre dann diese Papstwahl auch dann ungültig, wenn Benedikts Rücktritt gültig wäre.

        • Das von Ihnen angesprochene Apostolische Schreiben Benedikts XVI. findet sich in Latein hier und in Englisch hier.

          Dass Benedikt XVI. trotz der laut seiner Rücktrittserklärung angeblich vorliegenden Amtsunfähigkeit ein Schreiben solch weitreichenden Inhalts verfasst und herausgibt, stellt einen weiteren Widerspruch in sich dar. Im Schreiben selbst kommt der Rücktritt nicht vor. Es taugt daher in keiner Weise dazu, die hier von uns beiden aufgezeigten Ungereimtheiten betreffs der Rücktrittserklärung auszumerzen.

          Für unsere anderen Leser hier noch ein Hinweis auf einen am 20. Oktober 2014 im österreichischen Online-Standard erschienenen Artikel mit dem Titel: Kardinal Schönborn: „Massive Angriffswelle“ gegen den Papst, in dem die Rede davon ist, es gebe „sogar eine Publikation, in der die Gültigkeit der Wahl zum Papst angezweifelt werde„.

          Das Thema schlägt also offensichtlich Wellen.

          • Zuerst danke für die Links. Wenn im Schreiben der Rücktritt nicht vorkommt, obwohl doch dieser die Ursache dafür war, steckt da wohl Absicht dahinter.

            Nun aber zum online im Standard erschienenen Artikel:

            Ich kann mir durchaus vorstellen, dass da Ihr Artikel gemeint ist, weil ich bisher keine andere Publikation dazu kenne. Prof. Stroh kritisiert ja nur das Latein und ist vermutlich zutiefst über dieses Kauderwelsch enttäuscht, so tief, dass er sich genörigt sah, das der Abendzeitung zu melden.

            Was zunächst dagen zu sprechen scheint, ist, dass behauptet wird, dass die Gültigkeit der Wahl angezweifelt wird, worum es hier nur sekundär geht. Wir zweifeln ja die Gültigkeit des B16-Rücktritts an, womit die Ungültigkeit der Wahl von Papst Franziskus allerdings impliziert wird. Da dachte ich zuerst, wenn „der Standard“ diese Publikation hier meint, hätte er ja von der Ungültigkeit des Rücktritts Benedikts XVI. gesprochen.

            ABER gleich danach dachte ich schlauer. Der Standard will sicher nicht, dass Ihre Publikation hier von jemandem nachgelesen wird, sodass diese auch nicht mit Namen und Titel oder gar mit Link genannt wurde. Deshalb beschreibt der Standard das Angezweifelte etwas kryptischer. Sollen die Leute nach der Ungültigkeit der Wahl Franziski googeln, sodass sie nicht fündig werden!), aber doch bitte nicht nach dem Rücktritt Benedikts XVI., den Lateinfehlern, den fehlenden Fachausdrücken (termini technici), dem demonstrativ genannten falschen Adressaten usw.; das könnte ja irgendwie zu überzeugend wirken.

            Nun gut, sollten die User also gemäß dem Artikel im Standard googeln, kann man ja mit geeignet nebeneinander geschriebenen Stichworten ein wenig nachhelfen:

            Publikation Gültigkeit Wahl Papst Papstwahl ungültig Franziskus widerrechtlich Rücktritt Benedikt XVI. Formfehler Latein Grammatikfehler

                • Vielleicht sollte man noch den Begriff „Standard“ oder „der Standard“ dazu nehmen, damit diejenigen die nach einem gewissen Artikel im Standard googeln, auch hierher gelenkt werden.

                  • Ja, gut. Ich werde Kardinal Schönborn noch dazu nehmen. Was den Standard angeht, will ich nicht dessen Markenrechte verletzen.

                    Ich vergaß im Übrigen völlig, Ihnen dafür zu danken, dass Sie meinen Blog-Beitrag über die Verzichtserklärung Benedikts auf den katholischen Foren-Seiten verlinkt haben. Das brachte kurzzeitig eine Explosion der Zugriffszahlen, und ist wohl auch dafür verantwortlich, dass Kardinal Schönborn davon Kenntnis erlangt hat.

                  • Jetzt fällt mir noch was auf: Gehen wir weiter davon aus, dass Kardinal Schönborn Ihren Artikel hier meint. Dann will er (oder nur der Standard) , indem er sagt, dass die Papstwahl angezweifelt wird, anstatt, dass der Rücktritt angezweifelt wird, zugleich diese „Zweifler“ diskreditieren. Denn die Papstwahl für sich alleine gesehen kann doch nur von Dummen angezweifelt werden. An der Gültigkeit des Rücktritts zweifeln aber auch solche, die Ihre juristische Darlegung gar nicht kennen, einfach, weil sie von den Linienkämpfe im Vatikan wissen, vielleicht auch von den Morddrohungen, und somit an der Freiwilligkeit des Rücktritts zweifeln. Solche Zweifler würden ernst genommen. Um sie also zu diskreditieren, lenkt man den Zweifel auf eine vom Rücktritt losgelöste Papst-Wahl.

                    • Ja, auch ich habe mich ehrlich gesagt durch die Formulierung im Standard, die ja übrigens kein Zitat des Kardinals Schönborn darstellt, diskreditiert gefühlt.

                      Doch als Kritiker in Sachen „heißer Eisen“ muss man das aushalten, wie ich meine. Im Übrigen habe den CIC nicht ich verfasst. Ich zitierte ihn bloß und interpretierte vielleicht ein wenig, wo dies nötig war.

                      Außerdem wiederhole ich abermals: Der Jetzt-Zustand ist so schlecht gar nicht. Denn wir haben einen Papst, der kontempliert und betet. Und einen zweiten, der die Menge befriedigt, also sich um das Repräsentative kümmert. Und wir haben obendrein die Gewähr dafür, dass, was immer bei der Synode nächstes Jahr herauskommen mag, nötigenfalls umgestoßen werden kann, sollte dies aus Gründen der nachmaligen besseren Erkenntnis erweislich werden.

  14. Hier sind sicher viele blitzgescheite Anmerkungen zur Grammatik und Idiomatik/Semantik gemacht worden. Angesichts der auch sonst nicht immer so „klassischen“ lateinischen Texte des Vatikan, als auch in Betracht ziehend, dass der Hl. Vater zwar ein großer Verehrer der Sprache Ciceros ist, allerdings niemals klassische Philologie studiert hat, frage ich mich, ob dieser Text tatsächlich so belastbar ist, um die Schlüsse daraus zu ziehen, die hier gezogen worden sind.

    • Zum einen ist die Klassische Philologie, wenn ich nicht irre, ein Hauptfach im Studienplan der Katholischen Theologie. Zum anderen bringt der berufliche Weg, den Benedikt hinter sich hat, mannigfache Gelegenheit, mit Absolventen der Klassischen Philologie Konversation zu betreiben; ganz zu schweigen von den zahllosen Studien, die er auf lateinisch bewerkstelligen musste, um so weit zu kommen.

      Ihr Argument fällt also schon jetzt in sich zusammen.

      Hinzukommt aber noch, dass die hier aufgezeigten Fehler im Text des Verzichts keine gewöhnlichen, sondern gleichsam intelligente Fehler sind, welche allesamt auf etwas hindeuten: nämlich insgesamt und kontextual darauf, dass Zwang geübt und/oder dieser Weg gewählt worden ist, um den Verzicht absichtlich unwirksam zu gestalten.

      Letzteres ist in der völkerrechtlichen Praxis nichts Ungewöhnliches. Man formuliert absichtlich so, dass das Formulierte den obligatorischen Formvorschriften nicht genügt, um das Ganze zum Einsturz bringen zu können, wenn der Inhalt des Formulierten, der meist oktroyiert wurde, zu unerwünschten bzw. rechtswidrigen und unsachgemäßen Ergebnissen führt.

      • Bei der Gelegenheit fällt mir ein, was mir ein Student während meiner Studienzeit Ende der 80er Jahre über die Ehepraxis Adeliger gesagt hat. Ob’s zutriff, weiß ich nicht, aber mich hat’s fast schockert. Er sagte mir, dass die Adeligen fast alle mit Formfehlern heiraten, um eine Ehe ggf. wieder ungültig erklären lassen zu können. (Das „fast alle“ scheint mir immer noch übertrieben.)

        Ich selber kenne jemand vom kirchlichen Ehegericht der Diözese Regensburg. Da werden aber nur die Fälle „Lieschen Müller“ behandelt. Er sagte mir, dass Ehefälle „hochgestellter“ Personen als „causa magnata“ gelten.

        Und eine causa magnata wird vom Papst entschieden. Päpste dürften sich also in Sachen Formfehler bestens auskennen.

        • Da sehen Sie’s!

          Ich studiere jetzt seit etwa zehn Jahren völkerrechtliche Literatur, will heißen vor allem Verträge und Bullen etc. aus vergangenen Jahrhunderten. Und diese Praxis, die auch Sie beschreiben, hat offenbar wirklich System, denn sie bzw. deren Ergebnisse kamen mir häufig unter.

          Das hängt wohl ganz einfach auch damit zusammen, dass auf diesem Niveau des erhabenen Völkerrechts Themen und Aufgaben von exorbitanter Bedeutung behandelt und entschieden werden. Und weil insbesondere die Naturwissenschaften seit jeher hinter den Geisteswissenschaften nachzuhinken schienen und scheinen, war wohl nötig, solche Kautelen einzubauen, weil man schlicht und ergreifend unsicher war, ob man das Richtige tue, und so nachkommenden Generationen offen lassen wollte, dort korrigierend einzuschreiten, wo dies auch rückwirkend nötig sein würde.

          Exakt einen solchen Fall scheint mir doch klar jener rund um die Familie und das Sexualleben darzustellen, weshalb man sich des höchst möglichen Kniffs bedient: nämlich gleich den Papst, der sich an diese Reformen heranwagt, auf einen Stuhl Petri zu setzen, den ein tönernes Bein trägt.

          • Was mich in dem Gespräch so schockiert hat, war die Auffassung, wenn die Adeligen mit Formfehler geheiratet hatten, dann wäre das so lange okay, so lange der Formfehler zum Zwecke der Ungültigkeitserklärung nicht aufgedeckt sei. Meiner Auffassung nach war die Ehe dann von Anfang an ungültig und sie lebten im Konkubinat, hätten also, da in Todsünde lebend, nie eine Kommunion empfangen dürfen.

            Ebenso sehe ich es auch bei Papst Benedikt und Franziskus. Jetzt schon, nicht erst, wenn Form- und weitere fehler aufgedekct werden, ist Papst Benedikt XVI. rechtskräftiger Papst, Franziskus aber nicht, sodass etwa auch die Doppel-Papst-Heiligsprechung ungültig ist.

            • Sie reißen hier ein Thema an, das die gesamte Thronfolge zB im Hause Habsburg seit dem Mittelalter infrage stellen könnte. Doch wer, in Gottes Namen, sollte sich die Zeit nehmen können, das alles aufzuarbeiten? Ohne grundsätzlichen Willen, ein christliches Reich auf europäischem Boden wiederherzustellen, wird das wohl nicht machbar sein.

              Dass aber im gesamten Bereich des Völkervertragsrechts bzw. der völkervertraglichen Rechtsgestaltung immer wieder das Phänomen der Formungültigkeit auftaucht, habe ich bereits ausgeführt.

              Ich denke, dass kluge und hehre Köpfe hier dafür gesorgt haben, dass spätere Generationen notfalls alles, was je an unsachlichen und rechtswidrigen, da oktroyierten, Abtrotzungen gegenüber den ausgebeuteten Völkern festgelegt wurde, zum Einsturz bringen können.

    • Es geht nicht um die Frage, ob das Latein klassisch (d.h. aus der Zeit zwischen 75 v. Chr. und dem 1. Jh. n. Chr.) ist oder nicht. Einen Vergleich mit dem klassischen Latein bringt etwa Prof. Stroh, wohl aber in Anerkennung der t.t. des Kirchenlateins. Kirchenlatein ist Spätlatein, kein klassisches. Bedeutungsänderungen von klassischem zum späten Latein gibt es kaum; zumindest spielen sie hier absolut keine Rolle.

      Weder Herr Lambauer noch ich haben an diesem Text bemängelt, dass das Latein nicht klassisch sei. Wir übersetzen halt den Text so, wie er da steht, und nicht so, wie ihn manche gerne hätten.

  15. Grüß GOTT,
    ich habe Ihre obigen Kommentare mit größtem Vergnügen gelesen.
    Da Sie augenscheinlich in der Lage sind, umfangreiche Texte mit Akribie und Sachverstand zu studieren und auch keine Mühe scheuen, lege ich Ihnen die web-site „dasbuchderwahrheit“ wärmstens ans Herz. Lesen Sie sie bitte unvoreingenommen und mit offenem Herzen. Bitten Sie möglichst vorher den HEILIGEN GEIST um Erkenntnis. Da finden Sie die Erklärung, warum Papst Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und warum er seine Rücktrittserklärung vermutlich so formuliert hat, daß sie rechtmäßig-römisch-katholisch-glaubensmäßig unwirksam ist.
    Vorab sollten Sie aber noch 2 Thess. 2,3-12 lesen…2,7 = „…nur muss erst der beseitigt werden, der sie bis jetzt noch zurückhält.“
    Wenn Sie sich wirklich darauf einlassen, werden Sie feststellen, daß Sie -außer der Bibel- nichts Wunderbareres je gelesen haben. (Bei Bedarf kann ich Ihnen aber noch einige Bücher empfehlen).
    Bei Ihrer Recherche werden Sie aber auch feststellen, daß der größte Teil des deutschen katholischen Klerus und der Amtskirche diesen Text vehement ablehnt. Die web-site „katholischesinfo“ veröffentlicht übrigens keine Leser-Kommentare dazu, „kath.net“ „bekämpft“ sie ebenfalls, und die „normalen“ Gläubigen wollen nichts davon hören. Vermutlich muß das aber so sein.
    Wir müssen also einfach warten, bis die u.a. von Garabandal und Medjugorje angekündigte „Warnung“ stattgefunden hat.
    Und vielleicht gehören Sie dann ja auch zum „Kleinen Rest“.
    Vergnügte Grüße! Karin Fuchs

    • Liebe Frau Fuchs!

      Ihres zusätzlichen Ersuchens, Ihren Kommentar freizuschalten, hätte es nicht bedurft, denn Ihre Zeilen erfüllen mich mit Freude.

      Was Ihren Hinweis angeht, wonach die Bibel die höchste Schrift sei, so erlaube ich mir vorerst, darauf zu erwidern, dass ich gerade heute damit begonnen habe, die Bulle Inter caetera Alexanders VI. aus dem Lateinischen zu übersetzen. Und auch dieser heilige Text hat es in sich und vermag, viel zu geben.

      Ich bin mir gleichwohl noch nicht restlos sicher, ob ich schon reif für die Bibel bin. Da möchte vielleicht noch das eine oder andere Jährchen vergehen. Doch dass sie eines Tages meine Hauptlektüre werden könnte und wohl auch wird, dessen bin ich mir seit Langem bewusst.

      Ihre Internet-Tipps werde ich besuchen.

      Alles Gute!

      • dasbuchderwahrheit.de hatte früher den Namen DieWarnung.net und beinhaltet angebliche Botschaften von Sehern über die in den Marienerscheinungen von Garabandal prophezeite Warnung (Fingerzeig, spanisch: aviso). Vor dem großen Strafgericht, das wohl der Dritte Weltkrieg sein wird, gibt es noch eine Warnug an die Menschheit sowie das Große Wunder, das (das ist jetzt meine Interpretation:) fast die ganze Welt bekehren wird, ähnlich wie das Wunder der „Jungfrau von Guadalupe“ im heutigen Mexiko-City Südamerika bekehrt hat.

        Die Marienerscheinungen von Garabandal (1961-65) halte ich für echt. Die oder eine deutsche Seite zu Garabandal ist garabandal-zentrum.de/

        Hiervon las ich das dort angegebene Buch „Garabandal – der Fingerzeig Gottes“ von Albrecht Weber, der bei den Ereignissen dabei war. Die dortige Schilderung der Ereignisse, nicht zu vergessen die Bilder, die bereits die Übernatürlichkeit erkennen lassen, hat mich überzeugt. Die Große Warnung komme demnach, wenn der Kommunismus wieder kommt. Gesagt 1965, als sich viele wunderten: Heißt das, dass er zuvor zusammenbricht?

        Zudem gibt es da eine Papstprophezeiung, die in der Tat für Ihren Artikel von Interesse ist, wenn sie auch keinesfalls der Maßstab der Beurteilung eines Papstrücktrittes sein darf!

        Die Hauptseherin von Garabandal, Conchita, sagte, als Papst Johannes XXIII. verstorben war, so in etwa: „Ach ja der Papst ist tot. Die Jungfrau hat gesagt, dass es nach Johannes XXIII. nur noch drei Päpste geben wird. Eigentlich seien es noch vier, aber einen zählt sie nicht mit. Und einer wird nur kurz regieren.“

        Das sieht zunächst nach vier Päpsten aus, manche – ich nie – dachten, der nicht mitgezählte sei Johannes Paul I. Man muss die Prophezeiung am Ende etwas präzisieren, nämlich statt „und einer wird nur kurz regieren „… und noch einen (also einen fünften) gibt’s, der nur kurz regieren wird“. Dann nämlich wären die drei Päpste Paul VI., Johannes Paul II. sowie Benedikt XVI., die im Gegensatz zum nur kurz regierenden Johannes Paul I. wirklich Spuren hinterlassen haben, während der nicht Mitgezählte m.E. nur Franziskus sein kann, da man auch ohne ihn bis ans „Ende der Zeit“ (das nicht gleich dem Ende der Welt ist) gelangt oder da er kein rechtmäßiger Papst ist, oder wegen beidem. Gelesen hatte ich das in Webers Buch vom Jahr 2000, als es auch noch keinen Benedikt XVI. gab. Gesagt wurde es aber schon zur Erscheinungzeit (1961-65), als es den kurz regierenden Papst auch noch nicht gab.

        Über so eine spannende Botschaft wie die von Garabandal gibt’s natürlich viel Spekulationen, und es werden selbstverständlich auch Sekundärbotschaften geboten, um Garabandal zu präzisieren und um Neugierigere zu befriedigen. Ich hatte selbst ein paar Botschaften aus DieWarnung.net gelesen, mir fiel halt immer wieder auf, dass zwar viel Frommes, aber auch viel Hysterie dabei ist; ich beurteile das, was in der Welt vorgeht, halt etwas anders als so manche politisch desinformierte Seher. Zuvor hatte ich bereits über andere Seher insgesamt etwa vier Ordner Botschaften gelesen, deren angekündigte Ereignisse sich regelmäßig verspätet haben und bis heute nicht eingetroffen sind.

        Ich habe vom Prophezeiungsforscher Stephan Berndt gelernt, dass es bei Prophezeiungen zwei Dinge zu beachten gibt:

        1. Glaubwürdigkeit
        2. Klarheit

        Die Klarheit wird etwa von Nostradamus nicht erfüllt, und was etwa gibt mir Gewissheit, dass die Botschaften in dasbuchderwahrheit.de glaubwürdig sind? Wenn da Franziskus als nicht rechtmäßiger Papst bezeichnet wird (was vermutlich der Fall ist), ist das ein Bit richtig getroffene Info, mehr nicht. Dass er der Kirche großen Schaden zufügen wird, denken sich fast alle der Tradition nahestehenden Katholiken.

        Stephan Berndt hält zwar richtigerweise die Einkreisung Russlands durch die Nato für sehr bedrohlich und provokativ, hält dennoch aber auch Putin für gefährlich und lässt zumindest anklingen, dass dieser den Überfall auf Deutschland planen könnte. Vermutlich ist er aber beeinflusst von der Prophezeiung des Russenüberfalls durch Irlmaier und andere. Ich etwa glaube an Irlmaiers Prophezeiung, aber halte Putin für eien guten und Gutes wollenden Politiker, weil ich die vorliegendenTatsachen über die Prophezeiungen stelle. Von letzteren wissen wir nie genau, wann und wie sie eintreffen.

        Ich zweifle aber nicht daran, dass Sie sich auch weiterhin klar an die Fakten halten.

        • Sehr geehrter Herr R. Martin!

          Die hoch interessante und packende Fülle Ihrer Ausführungen zwingt mich, einen Punkt herauszugreifen, der mir als interessierter Beobachter des weltpolitischen Geschehens vor dem Hintergrund des Völkerrechts besonders am Herzen liegt:

          Die Politik Vladimir Putins, der (auch militärischen) Unterstützung der ostukrainischen Russen ist völkerrechtskonform!

          Dazu habe ich im Prinzip unter den folgenden Links dieses Blogs ausführlich Stellung genommen:

          https://ahlambauer.wordpress.com/2014/03/17/zur-rechtsgrundlage-der-volksabstimmung-uber-die-abspaltung-von-der-ukraine-in-der-autonomen-republik-krim/

          https://ahlambauer.wordpress.com/2014/03/20/uber-den-entwurf-einer-resolution-des-sicherheitsrats-der-vereinten-nationen-zum-referendum-auf-der-krim-s2014189/

          https://ahlambauer.wordpress.com/2014/03/20/uber-den-entwurf-einer-resolution-des-sicherheitsrats-der-vereinten-nationen-zum-referendum-auf-der-krim-s2014189/

          Die damit zusammenhängenden Rechtsfragen sind nebensächlicher, aber gewichtiger Gegenstand meiner Klage vor dem Gerichtshof der Europäischen Union T-490/14:

          https://ahlambauer.wordpress.com/2014/07/03/herrscht-vor-dem-gericht-der-europaischen-union-fur-rechtsanwalte-in-ruhestand-in-eigener-sache-anwaltspflicht/

          Das Recht auf Selbstbestimmung der Völker, um das es dabei zentral geht, steht im Zentrum des Völkernaturrechts, sodass sich alles andere, namentlich auch das Recht auf territoriale Unversehrtheit, von ihm abzuleiten hat: und nicht umgekehrt.

          • Das ist ja ziemlich viel. Ich werd die Sachen so nach und nach ansehen und ggf. bei den verlinkten Artikeln einen Kommentar abgeben.

            • Sie sind herzlich dazu eingeladen. Ich freue mich immer sehr über Ihre fundierten und interessanten Kommentare, die regelmäßig wesentlich zur Ergänzung, Untermauerung und kritischen Kontrolle meiner Errungenschaften beitragen.

              Ihre obigen Ausführungen zu den Marienerscheinungen und Prophezeiungen eines endzeitlichen Weltgerichts erzeugen wahrlich Gänsehaut. In der Tat sehe auch ich unsere Zeit als eine an, die ganz wesentlich und mehr als so manch andere der vergangenen Epochen ihrer spezifischen Ausgestaltung nach dazu neigt, epochale Veränderungen in Gesellschaft und auch Glauben herbeizuführen.

              Es ist nicht die einzige Prämisse, doch aber meines Erachtens eine der wesentlichen für diese Entwicklung, dass wir heute über Telekommunikationstechnologien verfügen, die der Menschheit ermöglichen, buchstäblich ins letzte Eck des Urwalds Informationen über allen Rest der Welt zu bringen. Das zieht gewaltige soziale Veränderungen nach sich, die angestammte und eingefleischte Etablissements dazu zwingen, sich neu zu orientieren.

              Was dabei herauskommen wird, wird sich erst weisen müssen.

              Ich sehe im Großen und Ganzen zwei mögliche Alternativ-Varianten:

              Erstens: Der überreiche Westen besinnt sich der zum Großteil aufgegebenen menschlichen Werte, mithin auch des Glaubens und öffnet sich der Dritten Welt, um mit ihr einen wirtschaftlichen aber auch sozialen Austausch und Ausgleich vorzunehmen bzw. stattfinden zu lassen, auf dass für alle ein würdiges Leben möglich sein wird.

              Zweitens: Der Westen schottet sich weiter ab, entwickelt seine militärische Sophistikation der menschlichen Suprematie bis zum Exzess weiter und verkommt so in einer Schar zunehmend kybernetischer, willenloser, einer sozial völlig deprivierten politischen Führungskaste buchstäblich auf Knopfdruck höriger Pseudo-Individuen: was den zielsicheren Untergang der Menschheit, zumindest aber ihrer (westlichen) Hochkultur implizierte.

              Nur der Glaube kann uns davor bewahren, den Weg des Lebens und der Ewigkeit zu wählen.

  16. Die erste annotierte Original-Fassung des Papstrücktritts beginnt gemäß Professor Stroh in der Abendzeitung mit Worten, die sogar mancher Latein-Erstklässler verstehen kann (bis auf „decisio“, das er wohl falsch mit „Entscheidung“ übersetzen wird):

    „Fragte carissimi
    Non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vitae…“

    Dann sind wir bei dem Grammatik-Fehler „pro … vitae“ angelangt, den ein Erstklässler merkt. Die korrekte Korrektur wäre übrigens durch das Weglassen des Wörtchens „pro“ gegeben, da man im Lateinischen nicht Nomina durch Präpositionen verbindet (nicht „amor ad patrem“, sondern „amor patris“).

    Meine These ist nun, dass man deshalb in allen Übertragungen diesen Anfang weggelassen hat, sogar noch eine Zeile mehr:
    „… communicem. Conscientia mea iterum atque iterum (6) coram Deo explorata“,

    um dann die Filmübertragungen mit

    „ad cognitionem certam perveni vires meas ingravescente aetate non iam aptas esse ad munus Petrinum aeque (8) administrandum.“

    zu beginnen. Höre neben meinem Posting vom 26. September um 15:22 Uhr auch z.B. dieses Vidio (derselbe Anfang):

    Den Leuten zu vermitteln, dass des Papstes Kräfte aufgrund des Alters nicht mehr für den Petrusdienst geeignet sind, ist natürlich auch wichtig, weswegen das hier ein optimaler Einstieg ist.

    Aber vor allem geht es m.E. darum, den Erstklässler-Fehler gleich am Anfang, wo noch so mancher aufmerksam zuhören könnte, zu vermeiden, damit nicht allzu viele Leute auf die Idee kommen, diesen Anfänger-Fehler-Text etwas genauer zu beäugen. Den Fehler „ministerio … commissum“ merkt dann keiner mehr; zu viele Worte dazwischen, Konstruktion zu kompliziert, Hirn hat schon abgeschaltet. (Auch den Fehler vor Filmstart, dass nämlich „communicem“ mit Dativ („vobis“) statt mit cum+Ablativ („vobiscum“) benutzt wird, hätte keiner bemerkt.)

    • Wozu Benedikt allein nicht mehr Ausdauer und Muße gehabt haben mag, ist, diese populären Reisen in aller Herren Länder zu unternehmen. Doch sind diese wirklich so wichtig?

      Sich aber in Kontemplation mit den Problemen und Aufgaben der Christenheit zu beschäftigen sowie diese zu lösen zu suchen: dafür reichte seine Energie mit Sicherheit noch gut hin.

  17. Vorgestern (ach, da nach 0 Uhr, vor drei Tagen, am 9.10.2012) war ich in Heroldsbach zum 65. Jahrestag der dortigen Marienerscheinungen. Ich sprach kurz mit Bischof Mixa über die Ungültigkeit der Rücktrittserklärung Benedikts: Falsche t.t. (sedes Romae, ministerium), ministerio…commisso, falscher Adressat etc. Hatte in kurzer Zeit ziemlich viel untergebracht. Aber irgendwie schien er nicht viel davon zu halten. Stürzte ja auch alles ziemlich schnell auf ihn ein, von einem Fremden, der er nicht kennt.

    Er sagte mir aber, er glaube, dass sich Benedikt nicht mehr „hinausgesehen“ habe.

    Dabei dachte er sicher an sein eigenes Schicksal. Erst wollte man ihm Kindesmissbrauch o.Ä. anhängen, was nicht gelang. Dann warf man ihm vor, Kinder verprügelt zu haben, eine Strafe, die damals erlaubt war. Da hat er mal verneint, wo das Gegenteil nachgewiesen (?) werden konnte, und so stand er als Lügner da. Er gab sein Amt zurück. Kurz darauf bereute er das und sagte, er wäre derart bedrängt gewesen, dass er nicht mehr aus noch ein wusste. Er wollte seinen Rücktritt anfechten. Man einigte sich aber dann doch darauf, dass er das nicht tue.

    Zu mir sagte er vorgestern nur, dass er glaube, dass sich der Papst nicht mehr hinausgesehen habe. Worauf ich meinte, dass, wenn man den Papst so bedrängt (oder ähnlich), dass ja dann der Rücktritt auch ungültig wäre. Darauf sagte er nichts mehr; er weiß ja, dass er damals selbst seinen eigenen Rücktritt anfechten wollte.

    Benedikt (oder seine hinter ihm stehenden Leute) hat das viel schlauer gemacht. Der müsste gar nicht nachweisen, dass er zum Rücktritt gedrängt wurde, wobei so ein Nachweis immer schwierig wäre.

    • Es mag nicht einfach sein, sich in eine Zeit zurückzudenken, in der Gang und Gäbe war, Kinder zu nötigen und körperlich zu züchtigen. Und es mag – angesichts der möglicherweise gegebenen Notwendigkeit, dem natürlichen Expansionsdrang der kindlichen Seele und Lebensenergie aus Gründen der räumlichen und sozialen Knappheit Einhalt zu gebieten – auch schwierig sein, ein sachlich stimmiges Urteil über die Frage der Rechtmäßigkeit solcher Torturen zu fällen.

      Fest steht aber, dass ich mein Kind nie geschlagen habe und es heute (mit 16 Jahren) trotzdem ein rücksitsvoller und umsichtiger Mensch geworden (oder: geblieben?) ist.

      „Sich nicht mehr über etwas hinaussehen“ heißt, vor dem mobbenden Druck der Menge zu resignieren, weil niemand da ist, der einen unterstützte. Der Grund dafür mag in Verfehlungen liegen, derer sich auch ein Papst, bevor er solcher wurde, schuldig gemacht haben könnte.

      Doch sind wir nicht alle fehlbar? Lastet denn nicht auf uns allen das Kreuz, indem wir alle Produkt unserer Vorväter Torturen sind?

      Die moderne Tiefenpsychologie nennt das Phänomen des Wiederholungszwanges und beschreibt es dahin, dass erzieherische („schwarzpädagogische“) Gewalt vornehmlich durch die eigenen Eltern das Kind zur Abspaltung und Verdrängung von Emotionen darob nötigt, was im Erwachsenenleben zu Reinszenierungen der traumatischen Erlebnisse führt, zu dem Zweck, die Hoffnung auf Veränderung zu nähren bzw. die abgespaltenen Gefühle, derer man so dringend bedürfte, um die Lebenswidrigkeit des Traumas zu erkennen, wieder zu erlangen. Ergebnis daraus sind Gewalt (erneut) gegen die eigenen Kinder und gegen die Gesellschaft überhaupt.

      Kaum jemand ist vor diesen tiefenpsychologischen Wahrheiten gefeit, solange er sich nicht eingehend und umfassend mit seiner eigenen traumatisierten Seele und Psyche auseinandergesetzt hat.

      Die Frage ist, was diesbezüglich von einem Papst zu erwarten sein darf.

      Und die Frage ist schließlich, ob die Aussagen eines Bischofs, der solcher Genesung offensichtlich nicht teilhaftig wurde, mit solchem Gewicht versehen werden dürfen, das einen Papst erschlüge, der – soweit mir bekannt – nur Gutes bewirkt hat; vor allem auch gewagt hat, das heiße Eisen des sexuellen Kindesmissbrauchs anzufassen, und es noch reifer gedeihen zu lassen, bis dass die Zeit reif sein würde, für eine öffentliche Diskussion darob, die sich nicht bloß in geifernden Schuldzuweisungen und Postulaten nach Rache ergeht, sondern ebendiese zuvor besprochenen psychologischen Phänomene nüchtern und sachlich zum Nutzen all jener im Auge hat, die vermeinen, dass das Problem, wenn es sogar die RKK erreicht hat, nicht so schwer an Schuld wiegen könne, was wiederum nützlich für die Fähigkeit wäre, des Problems Lösung anzugehen.

      Erschreckend ist an dieser ganzen Misere also vor allem, dass es im Vatikan offenkundig der ausreichenden Zahl an solchen Kardinälen und Prälaten mangelt, welche Einsicht in diese Zusammenhänge und Weitsicht dahin hätten, dass sie publik und einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht gehören, auf dass das Tabu, welches die Aufklärung des Phänomens und somit seine Entschärfung verhindert, zu Fall gebracht würde.

      Für mich war und ist Benedikt einer der fähigsten Päpste überhaupt; und er amtiert auch zu einer äußerst schwierigen Zeit. Und wenn er sich tatsächlich nicht mehr darüber hinaus gesehen haben sollte, dann ist das, wie gesagt, wohl seiner Umgebung zu schulden.

    • Noch ein Nachsatz dazu, zur Verdeutlichung:

      Wer „sich nicht mehr darüber hinaus sieht“, würde wohl kaum in der Lage sein, einen derart genial fehlerhaften Text mit versteckter Botschaft zu verfassen; sondern er wäre verzweifelt, fahrig und unkonzentriert.

      Ich glaube folglich auch aus diesem Grund nicht an die Version Bischofs Mixa.

  18. Benedikts Wortwahl:

    Habe gerade auf folgender Seite
    http://www.katholisches.info/2014/10/30/wenn-benedikt-xvi-sein-schweigen-bricht-und-auch-seinen-nachfolger-korrigiert/
    gefunden, wie sehr da Benedikts ausgeklügelte Wortwahl gelobt wird, und das seltsamer Weise genau da, wo es indirekt um eine Kritik an den Äußerungen von Franziskus geht. Der Auszug:

    „Papst Benedikt XVI. betonte in seiner Grußbotschaft die Bedeutung des überlieferten Ritus. Eine um so bedeutsamere Geste, zumal Papst Franziskus sich bisher öffentlich nicht dazu geäußert hat und inoffiziell widersprüchliche, in der Mehrzahl jedoch negative Signale ausgesandt hat. Ganz anders sein Vorgänger: „Ich bin sehr glücklich darüber, daß der Usus antiquus jetzt im vollen Frieden der Kirche lebt, auch unter den Jungen, unterstützt und zelebriert von großen Kardinälen.“ Ein einziger Satz mit einer gigantischen Botschaft. Das ist Benedikt XVI. Beobachtern fiel vor allem die Wortwahl auf. Der emeritierte Papst gebrauchte nicht mehr die in seinem Motu proprio Summorum Pontificum verwendete Definition des Alten Ritus als „außerordentliche Form“ des Römischen Ritus, sondern spricht vom „Usus antiquus“. Er gebraucht damit jene Definition, wie sie von der Tradition vertreten wird und wertet den überlieferten Ritus damit auch gegenüber dem Motu proprio noch einmal auf, besser gesagt, er hebt ihn tatsächlich in die ihm zustehende Stellung. Benedikt XVI. ist ein zu kluger Mann, um die Bedeutung von Worten nicht genau zu wiegen.“

    Und dass das durchaus auf Franziskus gemünzt ist, zeigt der gleich anschließende Auszug:

    „Dazu gehört auch die Aussage, „glücklich“ darüber zu sein, daß auch die Jugend zum überlieferten Ritus finde. Eine deutliche Erwiderung an seinen Nachfolger, ohne diesen natürlich zu nennen, der beim Ad-limina-Besuch der tschechischen Bischöfe im vergangenen Februar äußerte, nicht verstehen zu können, wie junge Menschen den Alten Ritus lieben und schätzen könnten und der in diesem Zusammenhang von einer bloßen „Mode“ sprach, der man daher „nicht so viel Aufmerksamkeit schenken“ solle.“

    Bleiben wir aber beim Ende des ersten Auszugs: „Benedikt XVI. ist ein zu kluger Mann, um die Bedeutung von Worten nicht genau zu wiegen.“

    Die „Rücktrittserkärungswörter“ dürften doch dann ebenso gut gewogen sein: „sedes Romae, sedes Sancti Petri“ statt „Sancta Sedes“ oder „sedes apostolica“; „ministerium“ statt „munus“, vielleicht auch „decisio“ statt „consilium“. (Auf die Grammatik-Fehler sei hier nicht eingegangen.) Aber komischer Weise spricht davon keiner; noch keiner, außer wir halt.

    • Es kann uns ehren, dass Papst Benedikt XVI. womöglich zufolge unserer Überlegungen an Fahrt gewinnt, was die Behauptung seines Amtes betrifft, auf das er nicht verzichtet hat.

      Was den Usus antiquus angeht, so liegt auf der Hand, dass archaische Sichtweisen vor allem, was Soziales und Psychologisches angeht, oft nüchterner und daher wahrhaftiger ausfallen, als die sich dem Zeitgeist hingebenden chaotischen Strömungen der Zersetzung und der Dekadenz.

  19. Ist neben dem Fußball-Bayer Uli Hoeneß auch der Stammes-Baier Benedikt XVI. im Gefängnis?

    Im Artikel

    http://www.katholisches.info/2014/10/27/benedikt-xvi-freude-ueber-alten-ritus-verlasse-klausur-nur-auf-einladung-des-papstes/

    steht, dass Benedikt XVI. den selbstgewählten Status eines für die Welt unsichtbaren „Klausurmönchs“ bekräftigt.

    So lehnt er offenbar eine Einladung zur Teilnahme an einer Alten Messe mit den Worten ab: „Mein Status eines „Klausurmönchs“ erlaubt mir nicht eine äußere Teilnahme. Ich verlasse meine Klausur nur in besonderen Fällen, vom Papst persönlich eingeladen.“

    Wohl gemerkt, er schreibt nicht, dass er das Leben eines Klausurmönchs führe, sondern dass er den Status eines Klausurmönchs hat. Zwar sei dieser „selbstgewählt“, doch muss das noch lange nicht „freiwillig selbstgewählt“ heißen.

    Er hat den Status eines Klausur-, das heißt eingesperrten Mönches. Bonifatius sperrte ebenso seinen vermutlich freiwillig und damit rechtskräftig zurückgetretenen Vorgänger Coelestin V. ein. Nach dessen missglücktem Fluchtversuch hielt er ihn in „Ehrenhaft“. Ehrenhaft, ja das ist m.E. auch der Status Benedikts. Wäre er freiwillig zurückgetreten, wäre er m.E. in seine Heimat zurückgekehrt und hätte Bücher geschrieben. Das wäre aber sehr gefährlich, da er dann außerhalb der Kontrolle der Leute um Gegenpapst Franziskus wäre.

    • Anzumerken ist, dass in der am verlinkten Ort gezeigten Grußbotschaft Benedikts XVI. das Wort selbstgewählt nicht vorkommt. Dies fügt vielmehr der Autor des verlinkten Artikels hinzu.

      Besondere Aufmerksamkeit ist aber auf den Phantasiebegriff Klausurmönch zu legen, den Benedikt XVI. verwendet (monaco in clausura):

      Das lateinische Wort monachus bedeutet an sich bereits einen christlich gläubigen Menschen, der äußerst zurückgezogen von der Welt, also in Klausur lebt. Der von Benedikt XVI. angestellte, von ihm speziell unter Anführungszeichen gesetzte Pleonasmus könnte somit in der Tat ein starker Hinweis darauf sein, dass seine Zurückgezogenheit gerade nicht freigewählt ist.

      Hier ein Nachweis zu monachi bei DU FRESNE DU CANGE, Glossarium mediae et infimae latinitatis, Tomus IV, Parisiis (1845) 474:

      Monachi

      • Ich übersetz es mal für die Nichtlateiner:
        „Mönche wurden diejenigen genannt, sie sich in Hinblick auf ein strengeres Leben in einsame Gegenden zurückzogen, nachdem sie jeder Gemeinschaft mit Menschen ausgewichen waren.“

        Klausurmönch kann da tatsächlich nur – ich drück’s mal vulgär aus – dümmlicherweise doppelt gemoppelt sein oder es steckt eine Botschaft dahinter. Letzeres nur wäre intelligent, eine Intelligenz, die ich, wem denn sonst, Benedikt XVI. zutraue.

        Benedikt XVI. bezeichnet sich also als Mann, der, nachdem er jeder menschlichen Gemeinschaft ausgewichen ist, sich in einen einsamen Ort begeben hat, der zudem „in clausura“ liegt.

        Nach Georges http://www.zeno.org/Georges-1913/A/clausura?hl=clausura
        heißt „clausura“ nicht nur Türverschluss, sondern auch Fort, Feste (Veste), Kastell, wohinter man sich eben verschanzt.

        So steckt wohl hinter dem Zusatz „in clausura“ nicht nur die Botschaft, dass sich Benedikt im Gefängnis befindet, sondern auch, dass er sich verschanzt vor solchen, die ihm nach dem Leben trachten.

        Benedikt ist ja bekannt dafür, seine Worte mit viel Bedacht zu wählen. Man sollte sich deshalb wirklich jede Wortbedeutung ganz genau ansehen.

        Das „selbstgewählt“ kann wohl tatsächlich nur dem Artikelschreiber geschuldet sein, beruhend auf dem Irrtum, Benedikt sei freiwillig „zurückgetreten“ und habe folglich seinen Mönchstatus in clausura auch selbst gewählt.

          • Dass die Autoren des zitierten lateinischen Lexikons hier das Imperfekt bemühten, ist wohl auf eine implizite Kritik zurückzuführen, dass es derlei Mönche heute (also schon zum Zeitpunkt der Abfassung des Lexikons) nicht oder doch wenigstens kaum mehr gibt. Das bedeutet aber nicht, dass der Wortsinn der lateinischen Vokabel sich geändert hätte. Denn wäre Letzteres der Fall, bräche unsere Argumentation hier, wonach im genannten Pleonasmus eine besondere Bedeutung liege, in sich zusammen, weil es dann der besonderen Betonung der Klausur in der Tat bedürfte, ist sie doch heute unter „Mönchen“ nichts Spezifisches mehr.

            Dem widerspricht aber mE die Tatsache, dass Benedikt den Pleonasmus speziell unter Anführungszeichen setzte. Damit brachte er schon zum Ausdruck, dass er damit etwas Besonderes sagen wollte.

            Man braucht andererseits gar nicht so sehr irgendwelche besonderen kriminellen Machenschaften zu vermuten, welche Benedikt widerfahren sein hätten können; vielmehr könnte die eigentliche Ursache für den Pleonasmus und die geübte Kritik am mittlerweile so freizügigen Papsttum auch einfach in einem Zwang liegen, der von den tatsächlichen Umständen des Lebens herbeigeführt worden ist, indem die Sitten immer mehr verfallen und Christliche Werte nur mehr wenigen etwas bedeuten.

            Insofern könnte sich Benedikt auch freiwillig in seinen jetzigen Status begeben haben, der Sache willen und, um der Welt zu demonstrieren, dass die Kirchenleitung verstanden hat, dass auch sie sich einer Katharsis zu unterziehen habe, wenngleich mitnichten in jene zeitgeistige Richtung, welche manchen revolutionistischen Strömungen im Schatten der Kirche vorschweben.

        • Diese Übersetzung ist ungenau, weshalb ich sie wie folgt korrigieren darf:

          Mönche wurden genannt, die sich mit Rücksicht auf ein strengeres Christliches Leben in die Einsamkeit zurückzogen, nachdem sie jeder Gemeinschaft der Menschen zu entgehen suchten.

          Nicht die Gegend, in der sie nunmehr wandeln wollten, sondern die persönliche Abgeschiedenheit von den Menschen, scheint mir der wesentliche Punkt zu sein; zumal das ausschweifende und gottlose Leben derer sie daran hinderte, ein strenges Christliches Leben zu führen.

          Führt man sich weiter vor Augen dass die genannte Grußbotschaft Benedikts damit endet, darauf hinzuweisen, dass Benedikt sich nur über Einladung des Papstes aus dieser Klausur begeben werde, dann erhellt zweierlei:

          1. dass – unter Berücksichtigung des festgestellten möglichen Bedeutungsinhalts des genannten Pleonasmus – Franziskus selbst entweder zu den Tätern zählt – denn nur dann liegt es an ihm, über eine Zäsur der Klausur zu befinden-, oder aber (als deren Werkzeug) diesbezüglich fungiert;

          2. dass Franziskus gerade nicht das Leben eines solchen Mönchs führt, weshalb seine Einladung einen Weg hinaus bedeutete; worin auch eine gewisse Kritik daran versteckt sein könnte, dass das Leben heutiger Päpste so gar nichts mehr mit Zurückgezogenheit und Kontemplation zu tun hat.

  20. Jetzt noch zwei Kommentare zu den m.E. drei wichtigsten Punkten, warum Benedikts „Rücktritt“ rechtsungültig ist. Diese drei Punkte sind:

    1. das Ausweichen von den termini technici

    2. der fehlende Rücktrittssatz

    3. der falsche Adressat.

    Zu 1: Ich war gestern bei der Korbiniansfeier in Freising. Da gab’s dann den Segen mit vollkommenem Ablass seitens des Kardinals. Der Segen wurde von jemandem etwa so angekündigt: „… erteilt Kardinal Marx, nach dem Willen des Apostolischen Stuhls Erzbischof von München und Freising, den Segen mit vollkommenem Ablass.“ Na, wie der t.t. da richtig gebraucht wurde! Geht doch! Es hieß nicht etwa Stuhl Roms (sedes Romae) oder Stuhl des hl. Petrus (sedes Sancti Petri), wie in der „Rücktritts“-Erklärung, oder Stuhl des heiligen Pius X., nein, es hieß kirchen- und völkerrechtlich korrekt: Apostolischer Stuhl (Sedes Apostolica).
    Und in der anschließenden Vesper wurde sogar in einer Fürbitte – solche werden ja ansonsten immer so unermesslich frei formuliert – ganz korrekt um die Einheit des Bistums mit dem „Apostolischen Stuhl in Rom“ gebetet.

    Da bin ich ja als Freisinger ganz stolz, dass es bei unserer Diözesanpatronsfeier viel genauer genommen wird als bei einem Papstrücktritt.

    Zu 2 & 3: die entscheidende Stelle heißt ja in der mündlich gesprochenen Fassung: „declaro me ministerio Episcopi Romae, Successoris Sancti Petri, mihi per manus Cardinalium die 19 aprilis MMV commissum renuntiare“.

    Das heißt, wenn man, damit man ihr überhaupt einen Sinn abgewinnen kann, „renuntiare“ nicht mit „berichten“ sondern mit „aufkündigen“ übersetzt:

    „erkläre ich, dass ich der Dienerschaft (einem Ministerium) des Bischofs von Rom, des Nachfolgers des Hl. Petrus, etwas mir durch die Hände der Kardinäle am 19. April 2005 Überlassenes aufkündige“.

    Ich schreibe hier „etwas Überlassenes“, denn meinte man alles Überlassene, hätte es doch „omnia commissa“ heißen sollen.

    Was wird da also dem Ministerium aufgekündigt? Das steht eigentlich gar nicht da. Man kann allenfalls vom Geber des nun zu Kündigenden darauf spekulieren.

    Es wird also an der Stelle, wo das zu Kündigende genannt werden sollte, nur derjenige genannt, der das zu Kündigende 2005 gegeben hat, dem es gemäß CIC Can. 189 auch wieder zu kündigen ist, der also zu adressieren wäre.

    Kuzum: An der Stelle, wo das zu Kündigende genannt werden sollte, wird der Adressat (die Kardinäle) genannt. Und anstelle des richtigen Adressaten wird im Satz selbst irgendein ominöses Ministerium genannt und als Adressat des Rücktrittschreibens Priester, die mit Heiligsprechungen zu tun hatten.

    Einfach alles verdreht und falsch. Gerade die Verdrehtheit ist es aber, die dieses Rücktritts-Fake so kirchenrechtlich hochintelligent macht.

    Da waren sicherlich gewiefte Kirchenrechts-Experten am Werk. Mit Namen will ich hier aber nicht spekulieren.

    • … damit man ihr überhaupt einen Sinn abgewinnen kann …

      Zumal renuntiare in seiner Bedeutung des Verzichtens sehr wohl den Dativ verlangt und commisso ebendiesen darstellt, vermöchte ich diese Sicht nur dann zu teilen, wenn zweifelsfrei zu klären wäre, dass die auch im oben verlinkten Video nur sehr verschluckt wahrnehmbare Endung in der Tat und absichtlich auf -um lauten sollte.

      Unter dieser Voraussetzung ist der Gedanke jedoch wahrlich interessant, denn er bezöge sich dann wohl auf etwas, das schon seit Generationen usus gewesen wäre: nämlich eine Einspannung des Apostolischen Stuhles vor den Karren der Menschen, welche die Mönche fliehen; oder aber, noch tiefer schürfend, jener, die ihren kulturellen Einfluss auf den Katholizismus gelegt haben: seit Hormisdas?

      • Nach Georges http://www.zeno.org/Georges-1913/A/renuntio?hl=renuntio kann „renuntiare“ sowohl mit bloßem Dativ als auch mit Dativ und Akkusativ im Sinne von „kündigen, entsagen, verzichten“ übersetzt werden. Im ersten Falle steht das Gekündigte im Dativ (Beispiel in Georges: civilibus officiis), im zweiten Fall steht das Gekündigte im Akkusativ (Beispiel in Georges: „alci amicitiam“), wobei man vielleicht in den Nuancen etwas unterscheiden muss; im ersten Fall „entsagen, verzichten“, im zweiten Fall „aufkündigen“.

        Bei „ministerio … commisso“ wäre Fall 1 zur Anwendung gekommen,
        bei „ministerio … commissum“ kommt jedoch Fall 2 zur Anwendung.

  21. Nun ja, anhören tut es sich schon wie „commissum“, wie mir auch ein neutraler Latinums-Inhaber bestätigt und wie es auch in der ersten Fassung hieß.

    Geht man aber davon aus, dass hier ein Lese- oder Aussprache-Fehler aufgrund der erkennbaren Schludrigkeit vorliegt oder dass der Papst der Korrektur „commisso“, wie es jetzt auf der offiziellen Vatikan-Seite heißt, zugestimmt hat, dann steckt hinter diesem Satz sogar der Sinn, der jetzt in etwa umgesetzt wird.

    Denn, wie Sie, Herr Lambauer, ja in Ihrem Artikel ausgeführt haben, ist der CIC-Fachausdruck für „Amt“ nicht „ministerium“, sondern „munus“. Dann sind wir hier wieder bei Punkt 1 meines Postings vom „23. November 2014 at 23:39“. Dass der Papst die korrekten terminos technicos meidet wie der Teufel das Weihwasser.

    Im „Rücktritts“-Satz entsagt der Papst dann aber dem „ministerio“, was ja in diesem Zusammenhang in erster Linie „Dienstleistung“ bedeutet. Das hieße, dass der Papst sein Amt behält, nur seinen Dienst aufgrund nachlassender Kräfte nicht mehr so ausführen kann, diesen Dienst also einem anderen überlässt, sowie es ja derzeit gehandhabt wird.

    Wenn der Papst aber sein Amt behält, behält er auch die kirchliche Leitungsfunktion, so dass er, wenn er wieder zu Kräften kommt, sofort wieder seiner Dienstleistung nachkommen darf. Er ist ja nach wie vor der Chef.

    Da er also auch für diesen „commisso“-Fall die Leitungsfunktion der Kirche behält, kann er sich natürlich jederzeit in das Kirchengeschehen korrigierend einmischen und seine Brüder durch Zurechtweisungen stärken, wie eben dem Petrus aufgetragen.

    Und da momentan einiges bei der Kirche im Argen liegt (etwa Lehre über die Ehe, über die Homosexualität), tut er das auch. Er weist zu recht, korrigiert seinen „Nachfolger“, siehe hier:

    http://www.katholisches.info/2014/10/30/wenn-benedikt-xvi-sein-schweigen-bricht-und-auch-seinen-nachfolger-korrigiert/

    Und andere regen sich darüber auf und meinen, Benedikt solle wieder in den Kardinalsrang zurücktreten, wie hier:

    http://diepresse.com/home/panorama/religion/4600206/Die-Angst-vor-dem-Gegenpapst-Benedikt-?parentid=0&act=2&isanonym=null#kommentar0

    Man muss hier anfügen, dass im letztgenannten Artikel Papst und Gegenpapst verwechselt werden. Kann mal vorkommen. Errare humanum est.

    Nun könnte natürlich einer sagen: „Ach Gott, seid ihr penibel, ob das jetzt „ministerio“ oder „muneri“, wie es das Kirchenrecht verlangt, heißt, man weiß doch wie es gemeint ist. Dazu braucht man aber nur Punkt 1 durch Punkt 3 (Posting vom „23. November 2014 at 23:39“) zu bekräftigen.

    Ließe man es gelten, dass Benedikt mit „ministerio … commisso“ auf das Amt verzichtet hat, obwohl es dann eigentlich „muneri … commisso“ hätte heißen müssen, dann hätte er dieses doch gemäß CIC Can. 189 den wahlberechtigten Kardinälen aufkündigen müssen, als denjenigen, von denen er es ja erhalten hat, wie er ja ausdrücklich im „Rücktritt“ betont hat.

    Hat er aber nur auf eine Dienstleistung (ministerium) verzichtet, wie ein Ministrant, der mal keine Lust hat zu ministrieren oder der sich, weil er sich letzte Nacht zu lang in der Disko rumgetrieben hat, nicht gut fühlt, dann schreibt hier das Kirchenrecht vermutlich gar nichts vor, dann kann dies der Papst auch so nebenbei ein paar Priestern sagen, wie er es ja gemacht hat, sowie ein übernächtiger Ministrant schnell seinem Pfarrer sagen kann, dass er aufgrund Altersschwäche, Entschuldigung: ich meinte Übernächtigkeit, heute nicht so gut drauf sei und nun seinem ministerio entsagen muss.

    Zusammenfassend: Das „ministerio … commisso“ ist vermutlich die Version, die Benedikt praktiziert. Das tatsächlich gesprochene „commissum“ ist wahrscheinlich nur eine zusätzliche Absicherung gegen einen rechtsgültigen Rücktritt vom Amt, nach dem Motto, doppelt, nein, sagen wir etwa sechsfach genäht hält besser als fünffach genäht.

  22. Nach so langer Zeit ist mir noch was anderes aufgefallen. Wenn „sedes Romae“ nicht den Heiligen Stuhl bedeutet, bedeutet dann „episcopus Romae“ („… ministrio episcopi Romae …“) überhaupt „Bischof der Diözese Rom“. „Roma“ ist doch zunächst mal die Stadt Rom. Kann da „episcopus Romae“ nicht auch heißen: „ein Bischof der Stadt Rom“, und Rom hat viele Bischöfe. Da brauchte ich jetzt kirchenrechtlichen Rat.

    • Meines Wissens hat die Stadt Rom zwar mehrere Bistümer, doch sind diese unter dem Sitz des Papstes zusammengefasst. Siehe dazu ROBINET, Tome V, 673!

      Wenn die Rede vom Sedes Romae ist, wird wohl das Erzbistum Rom gemeint sein.

      Im Übrigen ist nicht an mir, mich als ausgewiesener Kirchenrechtler zu bezeichnen.

  23. „Romae“ kann übrigens auch Lokativ sein: „ich erkläre, dem Dienst eines Bischofs in Rom zu entsagen.“

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