Von der Erbsünde und dem Wiederholungszwang


Mein Verständnis vom Sinn des Lebens oder von dem Ziel der Menschheit ist – entsprechend dem biblischen Bild, zu Gottvater aufzufahren, mithin: ihm gleich zu werden – die Fähigkeit zu erlangen, diesen Planeten zu verlassen, um anderswo Zivilisationen zu gründen, damit die Ewigkeit des Menschseins bei gleichzeitiger größtmöglicher Freiheit der Expansion gesichert sei.

Um dies zu erlangen, muss Forschung und Entwicklung betrieben werden; waren und sind Entbehrungen nötig, welche sich ergeben, wenn Arbeitsteilung erfolgt: Die einen betätigen sich geistig, haben einen sauberen Job, verdienen viel und gehören zu jenen, die konsumieren. Die andern – um hier nur eine grobe Zweiteilung vorzunehmen, die in Wahrheit aus vielen Facetten besteht – werken unter Tage, sind schmutzig, zerstören ihre Gesundheit und darben von einem Hungerlohn.

Dass diese Rechnung aufgehen konnte, war notwendig, den Menschen schon ihm Kindesalter in ein Korsett zu verfrachten, welches ihn seiner geistigen und körperlichen Freiheit beraubt. Nur so würde er gefügig sein und zustimmen, solche Arbeit zu verrichten, während die andern führen und planen und forschen. Doch auch Letztere haben ein schweres Los, weil ihnen überantwortet ist, über Leben und Tod ihrer Mitmenschen zu entscheiden, was psychisch belastet.

Dieses Korsett führt zu dem, was wir frühkindliche Traumatisierung nennen, woraus wiederum der Wiederholungszwang resultiert, also der Zwang, Erlittenes zu wiederholen, zu reinszenieren.

Durch diesen Wiederholungszwang ist gewährleistet, dass die Eltern selbst es sind, die ihre eigenen Kinder ins Korsett stecken und damit dem Staat nicht nur diese Arbeit abnehmen, sondern auch noch sicherstellen, dass das Kind nicht nachhaltig rebelliert, sind es doch die geliebten Eltern, die so gegen es handeln. Und so geben die erwachsen gewordenen Kinder ihre Schmach an ihre Kinder weiter.

Und diese Tradition setze ich mit der Erbsünde gleich, welches Bild nichts anderes verdeutlicht, als die Weitergabe (gleichsam im Erbgang) von Leid und Schmerz und Erniedrigung – dies jedoch unter dem lindernden Entschuldigungsgrund der Notwendigkeit zum Zwecke des Erlangens des Masterplans.

Die genannten tiefenpsychologischen Phänomene und Gesetzmäßigkeiten können nachgelesen werden etwa bei Alice MILLER, Das Drama des begabten Kindes sowie Am Anfang war Erziehung; oder bei Conrad STETTBACHER, Wenn Leiden einen Sinn haben soll; oder Arthur JANOV, Der Urschrei.

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