Panta rei?


ALLES IM FLUSS?

In Wahrheit ist die Idee der Nationalität eng mit dem völkerrechtlichen Grundsatz der Territorialität verbunden. Letzterer könnte in Aufweichung begriffen sein, erinnert man sich zB an den in der Ecuadorianischen Botschaft in London schmachtenden Julian Assange, bzw. die Geringschätzung der Britischen Territorialität durch das Ansinnen Ecuadors, den Genannten mittels Diplomatenpasses außer Landes zu schaffen.

Das Territorialitätsprinzip hat letztlich zum – wenn auch in der Praxis so gut wie nicht beachteten – Schutz der Völker der Dritten Welt gedient, was deren Anspruch auf angemessene Gegenleistung für die Rohstoffe anbelangt, welche aus deren Territorien abtransportiert und im Westen zu dessen Wohlstand verarbeitet wurden. Der Ausgleich hierfür harrt noch einer Regelung.

Die Frage, ob die Bindung der Völker an die Scholle, auf der sie entstanden sind, oder auf der sie sich vorzeiten niedergelassen haben, aufgelöst werden wird, ob die heute noch in alle Winde zerstreuten Menschen zusehends nach wenigen Orten und Regionen dieses Planeten streben werden, um dort ihr Auslangen zu finden, hängt wesentlich von der Frage ab, wie sich das Klima tatsächlich entwickeln wird, bzw. ob genügend Rohstoffe und Technologien zur ausreichenden Energiegewinnung vorhanden sein werden, dem Klima und den anderen Anforderungen jener entlegenen Regionen zu trotzen, in denen diese Menschen heute noch ihr mehr oder weniger klägliches Dasein fristen, während der Westen im Überfluss schwelgt.

Käme es zu einer solchen modernen Völkerwanderung gen Westen, könnte eine neue Weltordnung vorstellbar sein, in der das Territorium für die Staatenbildung nicht mehr ausschlaggebend wäre:

Gebiete wie Afrika oder Südamerika wären dem Naturschutz (zur Sicherung des Weltklimas und des Artenschutzes) aber auch dem Abbau von Rohstoffen vorbehalten, während das gesellschaftliche Leben in Gebieten des Nordens und des Westens abliefe; diese bewohnt von Völkern aller (heutigen) Herren Länder. Der Staat, den ein Volk ausmachte, definierte sich ausschließlich über sein Volk und eine personelle Zusammengehörigkeit unabhängig davon, wo dessen Mitglieder sich aufhalten. Nur so ist auch vorstellbar, dass in einer solchen Welt eine Beibehaltung kultureller Riten und Bräuche gewährleistet wäre.

Die hier nur äußerst grobkörnig umrissene neue Weltordnung führte etwa dazu, dass ein Votum des Schweizer Stimmvolks, die Zuwanderung zu kontingentieren, als allgemein völkerrechtswidrig und das Ansinnen Ecuadors, Herrn Assange zu befreien, um ihn in ihre Bande aufzunehmen, als rechtmäßig anzusehen wäre. Die heute den Territorialansprüchen vorbehaltenen Nutzungen und Anrechte auf den Boden würden kollektiv von allen Völkern ausgeübt werden. Das Volk als solches hätte nur mehr die Aufgabe und die Funktion, sein kulturelles Erbe zugunsten einer Vielfalt von Ideen und Geistesströmungen, von denen alle profitieren, zu bewahren und aus ihm schöpfend zur kollektiven Gestaltung der Weltpolitik beizutragen. Durch Telekommunikation wäre die technische Umsetzung von Abstimmungen der Angehörigen eines Volkes, wo auch immer sie sich aufhielten, unproblematisch.

Die Weltordnung, wie sie heute noch besteht: mit ihrer Territorialen Aufteilung der Erde unter technisch hoch entwickelten, im materiellen Überfluss lebenden, jedoch durch Zivilisationskrankheiten gezeichnete Nationen (im Nordwesten) einerseits und aufgrund des Raubbaues jener ihrer kultureller Wurzeln bereits gefährlich entfremdeten und deprivierten Völkern, die unter Hunger und sonstiger Not leiden (im Süden) andererseits, ist nicht aufrecht zu halten. Dies gebieten nicht nur die Menschlichkeit, sondern auch die bereits seit 1945 in der UN-Charta festgeschriebenen Grundsätze der Souveränen Gleichheit und Selbstbestimmung, welch letztere, was die Völker im Süden angeht, seit jeher mit Füßen getreten worden ist: Anders wäre ein Raubbau, wie er stattfand, gar nicht möglich gewesen.

Diese Fakten bedingen zwei Alternativen: Entweder der Raubbau ist als rechtswidrig anzusehen, sodass er den Westen zum Schadenersatz verpflichtet; oder aber er fand einvernehmlich mit den Völkern des Südens statt, dann ist dies aber unter rechtlichen Grundsätzen nur denkbar, wenn Teil dieses stillen Einvernehmens ein vereinbarter Anspruch des Südens auf Ausgleich war und ist.

Dieser Ausgleich mag möglicherweise nicht darin bestehen können, dass der Lebensstandard des Nordwestens in die Wohnungen des Südens getragen wird, weil dafür die Energie fehlt. Wenn es so ist, kommt nur das oben umrissene neue Weltbild infrage, das die Territorialität aufhebt, um das Völkische und die Kollektivität der Ressourcen dieser Erde zu betonen.

Wenn es aber nicht so ist, sondern ein würdiger Lebensstandard auch für die Völker des Südens machbar sein sollte, etwa auch unter der Voraussetzung, dass der Nordwesten mit seinem Standard etwas zurückfährt (was auch seiner psychosozialen Gesundheit gut bekäme), dann ist der angesprochene Ausgleich zu bewerkstelligen!

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