Die Resolution A/RES/56/83 über Staatshaftung für international unerlaubte oder unrechtmäßige Handlungen, und ihre Verbindlichkeit, soweit sie Grundsätze im Sinne des Artikels 11/1 UN-Charta feststellt


Mit in ihrer 468. Sitzung (A/PV.468) verabschiedeter Resolution 799 (VIII) Request for the codification of the principles of international law governing State responsibility, vom 7. Dezemeber 1953 (A/RES/799[VIII]) befand die Generalversammlung (GA) der Vereinten Nationen (VN), was folgt:

A-RES-799(VIII)_01A-RES-799(VIII)_02

A-RES-799(VIII)_03

Die GA ersucht hier die Internationale Rechtskommission (ILC) darum, die Kodifikation der Grundsätze des Internationalen Rechts, welche die Staatshaftung regeln, vorzunehmen. Es ist hier somit nicht die Rede etwa vom Verfassen eines Entwurfes einer solchen Kodifikation.

Die Zuständigkeiten und Befugnisse der ILC sind in deren Statut geregelt, welches ursprünglich als Annex der Resolution der GA A/RES/174(II) vom 21. November 1947 verabschiedet und seither mehrmals adaptiert wurde. Eine konsolidierte Fassung findet sich hier.

Artikel I/1 dieses ILC-Statuts lautet:

The International Law Commission shall have for its object the promotion of the progressive development of international law and its codification.

Indem vor dem fett hervorgehobenen Passus kein Beistrich steht, bezieht er sich nicht auf its object sondern auf the promotion of. Daraus folgt, dass laut ILC-Statut die ILC grundsätzlich nicht dazu aufgerufen ist, Kodifikationen selbst vorzunehmen, sondern sie lediglich zu fördern.

Wie dies gemäß eines darin etwa liegenden Unterschiedes zu verstehen sei und inwieweit die GA sich durch das ILC-Statut selbst gebunden und somit groteskerweise etwa unfähig gemacht hätte, in einer besonderen Resolution eine solche Kompetenz des ILC, zu kodifizieren, ihm zu übertragen, kann hier dahin gestellt bleiben, denn die weitere Genesis der Kodifikation war die folgende:

Nach Jahrzehnte langen Beratungen und Studien in der ILC, welche hier dokumentiert sind, legte die ILC der GA 2001, im Kaiptel IV. ihres Berichts A/56/10(SUPP) den Text of draft articles on Responsibility of States for internationally wrongful acts vor.

Die GA behandelte dies in ihrer Resolution A/RES/56/83 vom 12. Dezember 2001, in welcher sie diese Artikel annahm und insgesamt ausführte, wie folgt:

The General Assembly,

Having considered chapter IV of the report of the International Law Commission on the work of its fifty-third session, which contains the draft articles on responsibility of States for internationally wrongful acts,

Noting that the International Law Commission decided to recommend to the General Assembly that it should take note of the draft articles on responsibility of States for internationally wrongful acts in a resolution and annex the draft articles to that resolution, and that it should consider at a later stage, in the light of the importance of the topic, the possibility of convening an international conference of plenipotentiaries to examine the draft articles with a view to concluding a convention on the topic,

Emphasizing the continuing importance of the codification and progressive development of international law, as referred to in Article 13, paragraph 1 (a), of the Charter of the United Nations,

Noting that the subject of responsibility of States for internationally wrongful acts is of major importance in the relations of States,

1. Welcomes the conclusion of the work of the International Law Commission on responsibility of States for internationally wrongful acts and its adoption of the draft articles and a detailed commentary on the subject;

2. Expresses its appreciation to the International Law Commission for its continuing contribution to the codification and progressive development of international law;

3. Takes note of the articles on responsibility of States for internationally wrongful acts, presented by the International Law Commission, the text of which is annexed to the present resolution, and commends them to the attention of
Governments without prejudice to the question of their future adoption or other appropriate action;

4. Decides to include in the provisional agenda of its fifty-ninth session an item entitled “Responsibility of States for internationally wrongful acts”.

Indem die GA im operativen Punkt 1. der vorzitierten Resolution zuerst vom Entwurf von Artikeln spricht und sodann, im Punkt 2., Artikel (ohne den Beisatz Entwurf) zur Kenntnis nimmt, kommt zum Ausdruck, dass sich die GA dabei offensichtlich auf die eingangs zitierte A/RES/799(VIII) bezog, in welcher sie sich augenscheinlich auf ihre Kompetenz nach Artikel 11/1 UN-Charta stützte, Rechtsgrundsätze (als Vorbedingung zu deren Erwägung) festzustellen, soweit sie sich auf die co-operation in the maintenance of international peace and security beziehen.

Dass die GA im operativen Punkt 2. ihrer zitierten Resolution 56/83 zugleich Artikel 13 UN-Charta anruft, schadet dem insbesondere zufolge des Wortes continuing nicht, weil sie damit zutreffend zum Ausdruck bringt, dass sich die betreffenden Tatbestände der Artikel 11/1 und 13 (a) UN-Charta überschneiden. Artikel 13 (a) UN-Charta lautet:

The General Assembly shall initiate studies and make recommendations for the purpose of:

(a) promoting international co-operation in the political field and encouraging the progressive development of international law and its codification;

[…].

Denn, dass hier die GA auf Empfehlungen reduziert ist, was die (den Staaten nach wie vor überlassene) Mit-Zuständigkeit zur Kodifikation angeht, vermag nichts daran zu ändern, dass sie, soweit es Grundsätze betrifft, gemäß Artikel 11/1 UN-Charta eine eigene solche Zuständigkeit besitzt.

Diesem Komplex und der Frage, was vom Inhalt der zur Kenntnis genommenen Artikel Grundsatz und was Detail sei, ist wohl geschuldet, dass die GA im operativen Punkt 3. der zitierten Resolution 56/83 eine recht geschraubte Formulierung dahin findet, dass die Aufmerksamkeit der Regierungen, welcher sie die Artikel anempfiehlt, ohne Präjudiz für die Frage sein solle, ob diese Artikel später (namentlich durch die Regierungen!) angenommen oder auch andere Maßnahmen darüber ergriffen werden sollen.

Immerhin hält die GA in ihren späteren Resolutionen zum selben Gegenstand A/RES/62/61, A/RES/65/19 sowie A/RES/68/104 identisch fest wie folgt:

Noting with appreciation the compilation of decisions of international courts, tribunals and other bodies referring to the articles, prepared by the Secretary-General,

wobei der Umstand, dass die von der GA zuvor, wie dargestellt, angenommenen Artikel bereits judizielle Beachtung finden, unserer hier dargestellten Sicht Rechnung trägt, wonach diese Artikel rechtsverbindlichen Charakter haben, zumindest soweit sie Grundsätze beinhalten.

Dies war in diesen bewegten Zeiten festzustellen!

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